Emotions- und Motivationspsychologie

Gebietsüberblick | Prof. Dr. Rosa Maria Puca

Emotion und Motivation sind Themen, die in praktisch allen Lebensbereichen eine Rolle spielen – sei es in der Arbeitswelt oder in der Schule, in der Freizeit, beim Sport oder in zwischenmenschlichen Beziehungen. Im deutschen Sprachraum werden die Emotions- und die Motivationspsychologie dabei der Allgemeinen Psychologie zugeordnet – und obwohl die beiden Themengebiete sich theoretisch und empirisch voneinander abgrenzen lassen, sind sie doch aufeinander bezogen. Emotionen begleiten einerseits motiviertes – d. h. zielgerichtetes – Verhalten. Andererseits sind sie auch selbst Ziel dieses Verhaltens. Motiviertes Verhalten ist letztlich auf das Erreichen positiver Emotionen und das Verhindern bzw. die Beendigung negativer Emotionen ausgerichtet. Die Bereiche der Emotions- und Motivationspsychologie stellen sich somit als zwei Bereiche dar, die sich aufgrund ihrer Inhalte aufeinander beziehen und – je nach Perspektive – auf Konstrukte und Befunde des jeweils anderen Bereichs zurückgreifen.

Sowohl die Emotions- als auch die Motivationspsychologie weisen dabei viele Bezüge zu anderen Grundlagendisziplinen auf. Im angloamerikanischen Sprachraum werden sie häufig der Sozialpsychologie zugeordnet. Eine besondere Beziehung besteht auch zur Differentiellen Psychologie: Motivation wird als eine Interaktion zwischen Personen- und Situationsvariablen verstanden. Sogenannte soziogene Motive wie das Leistungs-, Anschluss- oder Machtmotiv stellen dabei die Personenvariablen dar. Sie werden als stabile Persönlichkeitseigenschaften aufgefasst, die bestimmen, welche Art von Zielen Menschen besonders positiv bzw. negativ bewerten und durch welche Reize sie emotional angesprochen werden. Es zeigen sich zudem zahlreiche Anknüpfungspunkte der Emotions- und Motivationspsychologie zu verschiedenen weiteren Grundlagendisziplinen: So bietet z. B. die Frage, wie Gedächtnis Emotionen beeinflusst und welchen Einfluss Motivation und Emotionen auf das Gedächtnis haben, Anknüpfungspunkte zur Kognitionspsychologie. Die Frage nach interindividuellen Motivations- und Emotionsunterschieden, Geschlechtsunterschieden oder kulturellen Unterschieden gehört in den Bereich der Differentiellen Psychologie. Die Entwicklung des motivierten Handelns, des Emotionsausdrucks und der Fähigkeit zur Emotionsregulation sind auch Gegenstand der Entwicklungspsychologie.

Wegen ihrer großen Praxisrelevanz haben emotionspsychologische und motivationspsychologische Theorien und Befunde auch Eingang in die Anwendungsdisziplinen der Psychologie gefunden, da sie eine Verbindung grundlegender Theorien und Konzepte mit einer anwendungsorientierten Perspektive auf Fragestellungen der Praxis ermöglichen. So sind z. B. Arbeits- und Lernmotivation zentrale Themen in der Organisations- bzw. Pädagogischen Psychologie (z. B. theoretisch fundierte Programme zur Motivationsförderung, die für verschiedenste Lebensbereiche wie Schule, Sport, Gesundheit, Arbeitsplatz relevant werden können). Für die Klinische Psychologie sind die beiden Themen ebenfalls von Bedeutung, weil psychische Störungen häufig selbst Störungen der Motivation und des Emotionserlebens sind oder mindestens von solchen begleitet werden.

Emotionspsychologie: Begrifflichkeiten und theoretische Ansätze

Die Emotionspsychologie beschäftigt sich mit einem Konstrukt, über dessen Definition nur insofern weitgehend Einigkeit herrscht, als es sich aus einer subjektiven Erlebniskomponente, einer Verhaltenskomponente und einer physiologischen Komponente zusammensetzt. Gegenstand emotionspsychologischer Forschung und Theorienbildung sind die Entstehung, die Manifestation und Veränderung von Emotionen sowie deren Funktion und physiologische Grundlagen. Besondere Aufmerksamkeit haben in der Emotionspsychologie seit ihren Anfängen die Struktur und die Systematisierung von Emotionen erfahren ­(dimensionale vs. kategoriale Modelle der Klassifikation von Emotionen).

 

Emotionspsychologie: Spezifische Emotionen

Neben dem Versuch, Emotionen auf Dimensionen wie «Lust – Unlust» und «Erregung – Beruhigung» anzuordnen und zu übergeordneten Klassen zusammenzufassen, steht aber auch das Bestreben, die Komponenten und Korrelate spezifischer Emotionen zu untersuchen. Ausgehend von kategorialen Ansätzen werden Emotionen dabei zu spezifischen Gruppen zusammengefasst, die sich ähnlich sind. Beispiele für spezifische Emotionen sind Überraschung, Freude, Liebe, Eifersucht, Ärger, Angst, Trauer, Ekel, Stolz oder Scham. Bei der Untersuchung dieser qualitativ zu unterscheidenden Emotionen geht es auch um die Frage, ob es spezifische physiologische Reaktionsmuster gibt, die sich den einzelnen Emotionen zuordnen lassen.

 

Emotionspsychologie: Erfassung von Emotionen

Zur Untersuchung von Emotionen sind zahlreiche Methoden entwickelt worden, die darauf abzielen, die verschiedenen Komponenten der Emotionen zu erfassen. Während die subjektive Komponente von Emotionen nur durch Selbstauskunft erfasst werden kann, stehen für die Erfassung von Mimik und Gestik außer klassischen Beobachtungsmethoden inzwischen auch zahlreiche technische, computerunterstützte Hilfsmittel zur Verfügung. Für die Erfassung der physiologischen Komponente werden ebenfalls technische Hilfsmittel eingesetzt, die ständig leistungsfähiger geworden sind. Will man Emotionen untersuchen, muss man diese in Untersuchungssituationen zunächst bei den Probanden hervorrufen bzw. induzieren. Dies geschieht z. B. durch die Präsentation von Filmen und Bildern mit positivem bzw. negativem Inhalt. Auch Musik und Töne werden zur Emotionsinduktion eingesetzt. Für Bilder und Töne existiert jeweils ein Satz international standardisierter Reize – das IAPS und das IADS. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Emotionen über autobiografische Erinnerungen zu induzieren.

Zur Untersuchung von Emotionen sind zahlreiche Methoden entwickelt worden, die darauf abzielen, die verschiedenen Komponenten der Emotionen zu erfassen. Während die subjektive Komponente von Emotionen nur durch Selbstauskunft erfasst werden kann, stehen für die Erfassung von Mimik und Gestik außer klassischen Beobachtungsmethoden inzwischen auch zahlreiche technische, computerunterstützte Hilfsmittel zur Verfügung. Für die Erfassung der physiologischen Komponente werden ebenfalls technische Hilfsmittel eingesetzt, die ständig leistungsfähiger geworden sind. Will man Emotionen untersuchen, muss man diese in Untersuchungssituationen zunächst bei den Probanden hervorrufen bzw. induzieren. Dies geschieht z. B. durch die Präsentation von Filmen und Bildern mit positivem bzw. negativem Inhalt. Auch Musik und Töne werden zur Emotionsinduktion eingesetzt. Für Bilder und Töne existiert jeweils ein Satz international standardisierter Reize – das IAPS und das IADS. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Emotionen über autobiografische Erinnerungen zu induzieren.

Motivationspsychologie: Begrifflichkeiten und theoretische Ansätze

Die Motivationspsychologie befasst sich mit zielgerichtetem Verhalten sowie dessen Richtung, Dauer und Intensität. Neben der Frage, auf welche Ziele Verhalten gerichtet ist und wie es energetisiert wird, geht es auch um Handlungsregulation, d. h. darum, wie Verhalten auf Zielkurs gehalten und gegen konkurrierende Verhaltenstendenzen abgeschirmt werden kann. Während die erste Fragestellung den Kern der Motivationspsychologie bildet, ist die zweite Frage der Volitionspsychologie zuzuordnen. Die Modelle und Theorien der Motivationspsychologie haben mal überwiegend das eine und mal das andere Teilgebiet zum Gegenstand. So sind z. B. das Risikowahlmodell und die Zielsetzungstheorie eher klassische motivationspsychologische Theorien; das Rubikonmodell der Handlungsphasen oder die Handlungskontrolltheorie zählen hingegen eher zu den Volitionstheorien.

 

Motivationspsychologie: ­Spezifische Motive

Wie in der Emotionspsychologie, stellt auch in der Motivationspsychologie die Klassifikation einen wichtigen Aspekt dar. Motive werden in diesem Kontext als latente Bewertungsdisposition für Ziele verstanden, die eine Zielerreichung oder Zielverfehlung erwarten lassen. Sie beziehen sich auf Inhaltsklassen von Zielen und werden als organismusseitiges Bestimmungsstück der Motivation und somit als innere Ursachen des Verhaltens angesehen. Sie haben konzeptuell Ähnlichkeit mit Instinkten, Bedürfnissen und Trieben. Sie bestimmen, auf welche Zielklassen und Anreize man emotional reagiert. Motive lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien kategorisieren. Man kann Motive z. B. nach biologischen oder biogenen und psychologischen oder soziogenen Motiven unterscheiden. Traditionellerweise wird motiviertes Verhalten nach Inhaltsklassen wie beispielsweise Leistung, Macht, Anschluss, Intimität, ­Aggression oder Neugier klassifiziert. Seit einiger Zeit wird aber auch eine Unterscheidung nach impliziten, d. h. unbewussten, und expliziten, d. h. bewussten und sprachlich repräsentierten Motiven vorgenommen.

 

Verwendete Literatur

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