Abwehrmechanismen des Ich

 

[engl. defense mechanisms of the ego], [KLI, PER], der Begriff Abwehr bez. in der Psychoanalyse eine psych. Operation, die das Bewusstsein, das Ich und dessen Arbeitsfähigkeit vor konflikthaften (Konflikt) inneren Reizen (Erinnerungen, Triebwünschen, Affekten) sowie äußeren überwältigenden Reizen (traumatischen Erfahrungen) schützen soll. Die Abwehr setzt ein, wenn ein Reiz das innere Spannungsniveau im psych. Apparat, das möglichst niedrig bzw. konstant sein soll, stört. Nach der Einführung des psychoanalytischen Struktur- bzw. Instanzenmodells wurden die Abwehrmechanismen als zentrale, zum größten Teil unbewusste Ich-Funktion betrachtet, mit deren Hilfe das Ich seine Konflikte zu bewältigen versucht. Die Hauptaufgabe der Abwehrmechanismen ist «der Schutz des Ichs gegen Triebansprüche» (Freud, 1923). Anna Freud hat das Konzept der Abwehr weiterentwickelt. Sie ging davon aus, dass Abwehrvorgänge nicht prinzipiell pathologisch sind. Vielmehr sei die Entwicklung des Ichs und seiner Abwehrfunktion für die gesamte Entwicklung der Persönlichkeit und die Integration der Triebe entscheidend (Persönlichkeitstheorien, psychoanalytische). Anna Freud traf eine Unterscheidung zw. 13 Abwehrmechanismen: Verdrängung, Regression, Reaktionsbildung, Isolierung, Ungeschehenmachen, Projektion, Introjektion, Wendung gegen die eigene Person, Verkehrung ins Gegenteil, Sublimierung, Identifikation mit dem Angreifer, altruistische Abtretung (Altruismus), Intellektualisierung. Die unterschiedl. Abwehrmethoden lassen sich in klin. wie entwicklungspsychol. Perspektive unterschiedlichen seelischen Funktionsniveaus bzw. Reifungsstufen zuordnen. Die Bedeutung des Abwehrkonzepts ist innerhalb wie außerhalb der Psychoanalyse unumstritten und bis heute Gegenstand klin. wie außerklin. wiss. Forschung. Psychoneurose.

Referenzen und vertiefende Literatur

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