Adaptives Intelligenz Diagnostikum (AID 3)

 

2014, K.D. Kubinger & S. Holocher-Ertl, [www.aid-intelligenztest.at/], [DIA, PER]. Eine zur Einzelvorgabe konzipierte Testbatterie für Kinder und Jugendliche im Alter von 6;0 bis 15;11 Jahren, dient der möglichst facettenreichen Erfassung komplexer und basaler Kognitionen. Manche ihrer Aufgabenstellungen sind zwar thematisch an traditionellen Intelligenz-Testbatterien angelehnt, unterscheiden sich aber durch konzeptionelle Modifikationen, die eindimensionales Messen je Untertest erst gewährleisten: Die meisten Unter- bzw. Zusatztests des AID wurden gemäß dem Rasch-Modell kalibriert. Praktisch relevant ist die Umsetzung des Adaptiven Testens. Indem dabei jeder Testperson im Wesentlichen nur diejenigen Aufgaben gestellt werden, welche ihrem Leistungsniveau entsprechen (und nicht zu leicht oder zu schwierig sind), kann relativ hohe Messgenauigkeit mit relativ wenigen Aufgaben erzielt werden; die Durchführungszeit ist vergleichsweise deutlich kürzer. Die ursprüngliche  (Papier-Bleistift-)Vorgabe erfolgt dabei nach dem Prinzip des branched testings, d. h., jeder Testperson wird jew. in Abhängigkeit von ihrer Leistung in einer vorausgehenden Aufgabengruppe eine andere nächste Aufgabengruppe vorgegeben. Darüber hinaus kann computergestützt mit demselben Testmaterial auch das Prinzip des tailored testings umgesetzt werden (AID_3_tailored; Kubinger & Spohn, 2017), sodass bei gleichbleibender Messgenauigkeit noch weniger Aufgaben vorzugeben sind: Nach jeder einzelnen Aufgabe wird leistungsangemessen die jew. nächste Aufgabe ausgewählt.   

Angestrebt wird mit der Testbatterie AID eine förderungsorientierte Diagnostik, d. h., mithilfe einer differenzierten Interpretation des Leistungsprofils in Bezug auf (indiv.) Stärken und Schwächen können entspr. (Förder-)Maßnahmen abgeleitet werden. Die Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich dabei auf vielfältige schulpsychol. und klin. Fragestellungen sowie auf Fragestellungen der Berufs- und Bildungsberatung (Fallbsp.: Kubinger & Holocher-Ertl, 2012; Kubinger, 2017a). Mithilfe eines spez. Diagramms ist neben der umfassenden Beurteilung zahlreicher kogn. Voraussetzungen zur Erlangung von Wissen und Handlungskompetenz auch ein Screening in Bezug auf ausgewählte Teilleistungsstörungen möglich. Eine Besonderheit der Testbatterie AID besteht darin, dass insbes. für Testpersonen mit einer anderen Muttersprache als Dt. auch sprachfreie Instruktionen zu mehreren Untertests zur Verfügung stehen; für in dt.sprachigen Ländern lebende Kinder und Jugendliche mit Türkisch als Muttersprache existiert eine eigene Version AID 2-Türkisch (Kubinger, 2009b); die engl. Version (Kubinger, 2017b) ist auch für Kinder und Jugendliche gedacht, die in dt.sprachigen Ländern lebend in Engl. unterrichtet werden (Äquivalenzprüfung).

Die einzelnen Unter- und optionalen Zusatztests des AID lassen sich gemäß ihren Aufgabenstellungen in verbal-akustische einerseits und manuell-visuelle andererseits gruppieren. Abgesehen davon, dass jeder einzelne Unter-/Zusatztest (aufgrund der Kalibrierung nach der Item-Response-Theorie (IRT)) nachweislich eindimensional misst, lassen sie sich darüber hinaus gemäß einer explorativen Faktorenanalyse noch nach folg. Faktoren gruppieren: Informationsverarbeitung in der gesellschaftlichen Umwelt, Informationsverarbeitung neuer Inhalte, Auffassungskapazität sowie (Re-)Produktionsfähigkeit durch Strukturierung. Hinsichtlich der Gütekriterien findet sich im Manual der aktuellen Version des AID eine Selbstevaluation nach dem TBS-TK (Testbeurteilungssystem des Testkuratoriums der Föderation Dt. Psychologenvereinigungen; Testkuratorium, 2006, 2007); hervorzuheben ist die gemäß DIN 33430 aktuelle Eichung, die testwertabhängige Bestimmung der Messgenauigkeit gemäß IRT, die inhaltliche Gültigkeit aufgrund von Experten-Ratings bzw. die Konstruktvalidität in Bezug auf ein hierarchisches Modell zu Specific Learning Disorders mit den (Domäne-)Faktoren Wahrnehmen, Merken und Verarbeiten/Benutzen sowie die diskriminante Konstruktvalidität in Bezug auf zahlreiche Leistungstests und etliche Persönlichkeitsfragebogen.

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.