Adoleszenz

 

(= A.) [engl. adolescence; lat. adolescere heranwachsen], syn. Jugendalter, [EW], ist die Lebensphase zw. Kindheit und Erwachsenenalter, in der sich die Adoleszenten aus ihren kindlichen Abhängigkeiten lösen und in erwachsene Verhaltensweisen und Rollen hineinwachsen. Die Altersangaben zu Beginn und Ende der A. variieren je nach Quelle. Viele Autoren datieren den Beginn der A. auf das Einsetzen der Pubertät. Der Prozesscharakter der Pubertätsentwicklung wie auch die säkulare Akzeleration erschweren allerdings eine klare Festlegung des Beginns. Noch weniger einzugrenzen ist das Ende der A. Die Volljährigkeit kann als rechtlich def. Ende der A. betrachtet werden, obwohl mind. das dt. Strafrecht bei 18- bis 21-Jährigen die Möglichkeit vorsieht, diese nach Jugendstrafrecht abzuurteilen. Die Übernahme von Erwachsenenrollen erscheint angesichts der verlängerten Ausbildungszeiten und des Hinausschiebens familiärer Übergänge (Familie) in modernen Gesellschaften kein ausschließliches Kriterium mehr zu sein. Heute def. sich das Ende der A. in westlichen Gesellschaften eher an subj. Kriterien wie Eigenverantwortung tragen, selbstständig handeln und entscheiden und wird je nach betrachtetem Lebensbereich zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreicht. Darüber hinaus haben die gesellschaftlichen und kult. Bedingungen großen Einfluss auf die Def. von und Erwartungen an die A.

Die A. ist eine Lebensphase, die durch zahlreiche Veränderungen und Entwicklungsaufgaben gekennzeichnet ist. Die physiol. Veränderungen umfassen nicht nur die Reifung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale und die damit verbundenen Hormonveränderungen (Hormone), sondern auch strukturelle Veränderungen im Gehirn. Die kogn. Entwicklung der Adoleszenten schreitet voran und erreicht in vielen Bereichen Erwachsenenniveau. Zu den Entwicklungsaufgaben der A. gehört, sich mit den physiol. Veränderungen auseinanderzusetzen ebenso wie mit Geschlechterrollen. Darüber hinaus stellen sich Aufgaben im Bereich der sozialen Beziehungen, wo reifere, durch Vertrauen, Intimität und Respekt geprägte Beziehungen zu Gleichaltrigen aufgebaut werden müssen. Erste Liebesbeziehungen, die auch mit ersten sexuellen Erfahrungen verbunden sein können, stellen neue Herausforderungen dar (Entwicklung, romantische). In der Beziehung zu den Eltern ist die Individuation (Autonomieentwicklung) ein wichtiges Thema. Die Adoleszenten gewinnen zunehmend Autonomie von den Eltern, bei weiterhin hoher Verbundenheit. Das bisher hierarchische Eltern-Kind-Verhältnis (Eltern-Kind-Beziehung) wird partnerschaftlicher. Das Aushandeln dieser neuen Beziehungsstruktur geht insbes. zu Beginn der A. mit häufigen Konflikten einher. In der A. werden für den weiteren Lebenslauf bedeutsame Weichen in der (Aus-)Bildung gestellt. Adoleszente entwickeln ein eigenes Wertesystem, eigene politische Einstellungen und religiöse Haltungen. Viele der geschilderten Entwicklungsaufgaben lassen sich zus.fassen zu einer zentralen Aufgabe der A., die Entwicklung einer Identität (Identitätsentwicklung). Die A. wird deshalb auch als Moratorium bez., in dem (relativ) frei von Verpflichtungen Rollen und Verhalten ausprobiert werden kann.

Die Mehrheit der Jugendlichen durchläuft die A. ohne bedeutsame Probleme. Der Selbstwert (Selbstwertgefühl) steigt von der Kindheit bis zu Beginn des Jugendalters, wo er sich einige Jahre stabilisiert, um dann weiter anzusteigen. Es zeigt sich allerdings ein Anstieg der Delinquenz und der Beginn des Konsums legaler und illegaler Drogen liegt i. d. R. in der A. Bei diesen externalisierenden Problemen (Externalisierungsprobleme) übertreffen meist Jungen die Mädchen. Übersteigertes Problemverhalten dieser Art ist für viele Adoleszente allerdings eine vorübergehende Episode und ist mit dem Einüben von Erwachsenenrollen und einer erhöhten Risikoakzeptanz zu erklären. Nur eine Minderheit zeichnet sich durch überdauernde Probleme aus. Im Bereich der internalisierenden Probleme (Internalisierungsprobleme) ist ein Anstieg von depressiven Verstimmungen und Depressionen in der A. zu beobachten, hier sind Mädchen stärker betroffen als Jungen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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