Adoption

 

(= A.) [engl. adoption; lat. adoptio Annahme an Kindes statt], [EW, RF], bez. einen Rechtsakt, durch den zw. einer annehmenden und einer angenommenen Person ein rechtliches Eltern-Kind-Verhältnis begründet wird, das zuvor nicht bestanden hat und das unabhängig von biol. Elternschaft Gültigkeit erlangt. Unter anthropologischen Gesichtspunkten hat A. eine lange Geschichte, ist weitverbreitet und wird in Gesellschaften (Gesellschaft) mit kodifiziertem Recht sehr versch. ausgestaltet, etwa im Hinblick auf Reversibilität oder verbleibende Rechte biol. Eltern. A. sind forschungsmeth. als natürliches Experiment von Bedeutung. So wurden Unterschiede im Alter von Kindern zum Zeitpunkt der A. genutzt, um Hinweise auf die Bedeutung ungünstiger früher Erfahrungen vor der A. zu gewinnen. Ebenso wurden in Adoptivfamilien Zusammenhänge zw. qual. Merkmalen von Fürsorge und kindlicher Entwicklung untersucht, die nicht durch die ansonsten bestehende genetische Übereinstimmung zw. Eltern und Kindern beeinflusst werden. In der Verhaltensgenetik stellen Untersuchungen zur Ähnlichkeit zw. biol. Eltern und gleich nach der Geburt adoptierten Kindern einen Weg zur Abschätzung der Erblichkeit von Merkmalen dar.

In der Familienps. werden Kinder und Eltern nach einer A. als eigenständiges Forschungsthema angesehen, wobei die familiäre Kommunikation über die A. sowie Konflikt und familiärer Zusammenhalt bislang Forschungsschwerpunkte darstellten. Ein Teil der Studien befasst sich mit Effekten der Ausgestaltung von A. Bspw. wurden wiederholt Entwicklungsverläufe von Kindern, die nach einer A. bei einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar aufwachsen, untersucht, wobei keine beständigen Unterschiede zu Kontrollgruppen gefunden wurden. In ähnlicher Weise haben Längsschnittstudien (Längsschnittuntersuchung) gezeigt, dass offene Formen von A., die Kontakte zw. Adoptivkindern und biol. Eltern beinhalten, pos. Zusammenhänge zu versch. Aspekten kindlicher Entwicklung aufweisen, sofern Dauer und Häufigkeit der Kontakte flexibel den sich verändernden Wünschen der Beteiligten angepasst werden können. In der Entwicklungsps. liegen u. a. Untersuchungen zum Aufbau von Bindungen in Abhängigkeit von Vorerfahrungen und dem Alter des Kindes zum Zeitpunkt der A. vor, ebenso zum sich wandelnden Verständnis von A., wobei Kinder im Vorschulalter u. U. bereits lernen, über ihre A. zu sprechen, ein vertieftes Verständnis sich jedoch erst in der mittleren Kindheit einstellt. Schließlich wurde wiederholt die Identitätsentwicklung bei adoptierten Jugendlichen (Adoleszenz) untersucht und eine große Heterogenität in Ausmaß und Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft beschrieben.

Nach der wiederholten metaanalytischen Absicherung (Metaanalyse) erhöhter Raten an Verhaltensauffälligkeiten bei adoptierten Kindern aus dem In- und Ausland sowie gleichfalls erhöhter Raten therap. vorgestellter adoptierter Kinder hat sich in der klin. Entwicklungsps. der Forschungsschwerpunkt auf relevante Risiko- und Schutzprozesse verlagert. Vorliegende Längsschnittstudien sowie vereinzelte Interventionsstudien weisen dabei, neben Ausmaß und Dauer von Belastungserfahrungen (Belastung, psychische) vor der Adoption, auf die Bedeutung der psych. Gesundheit (Gesundheit, psychische) der Adoptiveltern sowie der Qualität von Fürsorgeverhalten (z. B. Feinfühligkeit) und Paarbeziehung in der Adoptivfamilie hin.

Forschungslücken bestehen u. a. bez. der Diagnostik (Diagnose, psychologische Diagnostik) der Eignung von Adoptivbewerbern und der wirksamen Prävention abweichender Entwicklungsverläufe bei Adoptivkindern.

Referenzen und vertiefende Literatur

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