Aggression, klinische Perspektive

 

[lat. aggredi angreifen, engl. aggression], [KLI], Aggression (= A.) bez. ein Verhalten, das eine Schädigungsabsicht verfolgt. Es kann gegen Objekte, andere Personen oder die eigene Person gerichtet sein. Aggressives Verhalten beinhaltet zumeist eine Verletzung gesellschaftlicher Normen und Regeln (Normen, soziale). Aggressives Verhalten kann in unterschiedliche Ausdrucksformen (Ausdruck) kategorisiert werden: feindselig (Feindseligkeit) vs. instrumentell, offen vs. verdeckt, reaktiv vs. aktiv; körperlich vs. indirekt, affektiv (Affekt) vs. räuberisch. Dabei ist die Unterscheidung in reaktiv (Täter-A., geplant (Planen), kontrolliert) vs. aktiv bzw. proaktiv (Opfer-A., ungeplant, häufig emot. motiviert; nach Zurückweisungen) die geläufigste (Petermann & Koglin, 2013). Die Ausdrucksformen sind alters- und geschlechtsspezifisch.

Zur Entstehung der A. liegen unterschiedliche Theorien vor: (1) Triebtheorie als Konzept der Psychoanalyse (Freud); (2) Frustrations-Aggressions-Hypothese; (3) Modelllernen von A. i. S. des sozialen Lernens; (4) biopsychosoziale Modelle. Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass genetische Einflüsse (biol. Komponente, Verhaltensgenetik) bei der Prädisposition von A. eine Rolle spielen und dass sich aggressives Verhalten durch psychosoziale Faktoren (wie elterliches Erziehungsverhalten; Erziehung, Erziehungsstile) entfaltet.

Üben Personen aggressives Verhalten im Übermaß aus, können psych. Störungen diagnostiziert werden. Im Kindergarten- und Grundschulalter tritt eher aggressiv-oppositionelles Verhalten auf, im späteren Kindes- und Jugendalter aggressiv-dissoziales Verhalten (Störungen des Sozialverhaltens = SSV). Die Prävalenzangaben schwanken von 5–8% (Petermann & Petermann, 2013). Aggressives Verhalten ist über die Lebensspanne stabil. 25% der Personen mit einer Diagnose SSV im Kindesalter entwickeln eine Dissoziale Persönlichkeitsstörung (Antisoziale Persönlichkeitsstörung) im Erwachsenenalter. Weist die Person zusätzlich callous-unemotional Traits auf, erhöht sich das Risiko. Zu den Risikofaktoren zählen neuropsych. Defizite, Temperamentsfaktoren (Temperament), aggressive Modelle in der Familie, kogn. Defizite und neg. Einflüsse (Einfluss, sozialer) durch Gleichaltrige (Petermann & Petermann, 2013). Die Schutzfaktoren umfassen Schüchternheit und Verhaltenshemmung, gering ausgeprägtes exploratives Verhalten sowie risikovermeidendes Verhalten. Ob Gewalt in Medien (Mediengewalt) zur Ausbildung aggressiven Verhaltens beiträgt, wird diskutiert. Einige Studien zeigen einen positiven Zusammenhang zw. dem Spielen gewalthaltiger Computerspiele und aggressivem Verhalten (Petermann & Koglin, 2013).

Als empirisch gestützte Behandlungsansätze gelten Verhaltenstherapie, Problemlösetraining, soziales Kompetenztraining (soziale Kompetenzen), Ärger-Kontrolltraining sowie Elterntraining (Elterntrainings, präventive), aber auch neue Ansätze der Psychopharmakotherapie (Petermann & Petermann, 2013).

Referenzen und vertiefende Literatur

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