AIDS

 

[GES, KLI], Abk. für Acquired Immune Deficiency Syndrome [engl. erworbenes Immundefizienzsyndrom], durch HI-Viren erworbene Erkrankung des menschlichen Immunsystems (Immunschwäche). Übertragung durch Körperflüssigkeiten (Schleimhautkontakte mit virushaltigen Körperflüssigkeiten) wie Blut, Sperma, Vaginalsekret, insbes. durch ungeschützten Sexualverkehr, HIV-infizierte Injektionsnadeln beim Drogenkonsum sowie Bluttransfusionen. Mehr als die Hälfte der Infizierten lebt im südlichen Afrika (2006: 24,7 Mio. von insges. 39,5 Mio. weltweit Infizierten). Verbesserte med. Therapien (insbes. highly active antiretroviral therapy; HAART) haben die Überlebensdauer nach Infektion mit der ursprünglich akut lebensbedrohlichen Erkrankung erheblich verlängert, sodass für AIDS inzw. häufig ein chronischer Verlauf charakteristisch ist (chronische Erkrankungen). Gemäß der Centers for Disease Control and Prevention (CDC)-Klassifikation werden drei Stadien des Krankheitsverlaufs unterschieden: Stadium I: Asymptomatische HIV-Infektion (zumeist mehrjährige symptomfreie Latenzphase); Stadium II: Symptomatisches Stadium (erste gesundheitliche Beeinträchtigungen); Stadium III: Vollbild AIDS (opportunistische Erkrankungen, z. B. Toxoplasmose, Candidose, Pneumozystis-Pneumonie).

Als psych. Komorbiditäten treten insbes. Depression (Prävalenz: 15−40%), sucht- und substanzbezogene Störungen, Angststörungen und  Anpassungsstörungen auf. Pharmakol. unbehandelt liegt die Prävalenz der HIV-Enzephalopathie (syn. HIV-Demenz) bei 15−20%. Psychol. weiterhin bedeutsam sind versch. Stressoren in Zusammenhang mit der Diagnosestellung, offener Umgang mit der Erkankung im direkten und weiteren sozialen Umfeld [engl. disclosure], physische und psych. (Neben-)wirkungen der medikamentösen Behandlung (u. a. aufgrund der Notwendigkeit einer hohen Adhärenz) sowie Stigmatisierung (z. B. Zuschreibung der pat.seitigen Verantwortung («Schuld») für die Erkrankung, Pat. als «Infektionsquelle»). Hierbei sind neben psych. Belastungen insbes. soziale Folgewirkungen hoch bedeutsam. Die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit AIDS-Erkrankter ist eingeschränkt, wobei eine hohe interindiv. Variabilität vorliegt. Das Chronic Illness Quality of Life Model (Heckmann, 2003) berücksichtigt wahrgenommenes HIV-Stigma, Zugangsbeschränkungen zum Gesundheitswesen, körperlichen Gesundheitszustandsoziale Unterstützung und aktives, problemorientiertes Coping als zentrale Einflussfaktoren. Lesermann (2003) zeigt den Zusammenhang psychosozialer Faktoren mit Parametern des Immunsystems und der Mortalität. Psychosoziale Interventionen zielen insbes. auf den Umgang mit der körperlichen Erkrankung, das Sozialverhalten sowie das Stressmanagement und Coping-Verhalten ab.

Referenzen und vertiefende Literatur

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