Akteur-Beobachter-Unterschied

 

(= A.) [engl. actor-observer difference], [SOZ], die Unterscheidung zw. den Perspektiven des Akteurs vs. des Beobachters ist grundlegend für die Sozialps. In sozialen Interaktionen sind Personen sowohl Akteure, die ein best. Verhalten zeigen, als auch Beobachter bzw. Rezipienten dieses Verhaltens. Hierbei wechselt die Perspektive laufend, d. h. vom Akteur zum Beobachter und zurück zum Akteur, etc. Die jew. Perspektive hat jedoch klar benennbare Auswirkungen auf die Urteilsbildung. Jones und Nisbett (1972) haben argumentiert, dass die Perspektive die Ursachenzuschreibung dergestalt beeinflusst, dass Akteure bei der Erklärung eigenen Verhaltens externen Ursachen (z. B. Situation) mehr Gewicht geben als Beobachter, die eher auf interne Ursachen schließen (z. B. Persönlichkeit). Diese Differenz sei auf Informationsunterschiede (d. h. der Akteur weiß mehr über sich selbst als der Beobachter), auf Wahrnehmungsunterschiede (Akteur «sieht» die Situation, Beobachter «sieht» den Akteur) und auf «naive Ps.» (Akteure sehen ihr Verhalten multideterminiert, Beobachter beachten die situativen Zwänge zu wenig; vgl. auch fundamentaler Attributionsfehler) zurückzuführen. Spätere Studien haben gezeigt, dass diese A. insbes. bei der Erklärung neg. Verhaltensweisen zutreffen, weniger bei der Erklärung pos. Verhaltensweisen (Malle, 2006).

Der A. wurde nicht nur bei Attributionen untersucht, sondern auch z. B. bei der Einschätzung der Bedeutsamkeit versch. Eigenschaftsdimensionen. Bezugnehmend auf die fundamentalen Dimensionen der Urteilsbildung (Urteilsbildung, Dimensionen), d. h. agency und communion (agency-communion), haben Abele und Wojcizke (2007) empirisch belegt, dass Beobachter bei anderen insbes. kommunale Eigenschaften schätzen, weil kommunale Eigenschaften Aussagen über Intentionen erlauben; während Akteure bei sich selbst besonders Wert auf agentische Eigenschaften legen, weil diese Aussagen über Zielerreichung ermöglichen. Weitere Bereiche, in denen A. untersucht wurden, sind z. B. selbst empfundene vs. von anderen wahrgenommene Intimität von Kommunikationsinhalten (Akteure beurteilen teilweise andere Inhalte als intim als Beobachter) oder unrealistischer Optimismus (Akteure beurteilen eigene Chancen und Risiken optimistischer als Beobachter).

Verwendete Literatur

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