Alkoholismus

 

(= A.) [engl. alcoholism], syn. chronischer Alkoholmissbrauch, Alkoholsucht, Trunksucht, [KLI], Ursachen und Folgen dieser seit 1968 in der BRD als Krankheit anerkannten Komplexerkrankung sind im körperlichen, seelischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich zu suchen: Nach der Def. der WHO sind Alkoholiker exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht hat, dass sie deutliche seelische Störungen, gesundheitliche Schäden, eine Beeinträchtigung der mitmenschlichen Beziehungen sowie sozialen und wirtschaftlichen Funktionen aufweisen bzw. dass Vorläufer solcher Erscheinungen zu beobachten sind. Die WHO unterscheidet zw. gewohnheitsmäßigem exzessivem (nicht süchtigem) Alkoholmissbrauch (Abusus) und süchtigem A. Letzterem, der sich nach dem Vorliegen eines Kontrollverlustes (Unfähigkeit, mit dem Trinken aufzuhören, wenn man einmal begonnen hat) oder einer Unfähigkeit zur Abstinenz (Gamma- bzw. Delta-A. nach Jellinek) best., kommt Krankheitswert zu (Alkoholkonsum, risikoarmer, Alkoholkonsum, riskanter). Nicht süchtiger A. wird heute mit dem Begriff des Problemtrinkens (d. h. dass das Trinken Probleme schafft) belegt. Als Ursachen des A. können, je nach Erscheinungsbild in unterschiedlichem Maße beteiligt, gelten: (1) Heredität i. S. einer unspezif. Vulnerabilität, indiv. oder kult. bedingt; (2) frühkindliche Prägung einer Ich-schwachen und für Formen psych. Fehlanpassung anfälligen Persönlichkeit; (3) Lernen von Trinkmustern durch innere und soziale Verstärker in der früheren oder späteren Jugend; (4) die sozialen Reaktionen gegenüber dem beginnenden A., die den sich autonomisierenden Krankheitsprozess, das Süchtigwerden unterstützen. Die Gefährlichkeit des A. liegt darin, dass die herrschenden Trinksitten die beginnende Süchtigkeit (Sucht) verschleiern und unentdeckt bleiben lassen, bis ein relativ spätes Stadium des Prozesses erreicht ist. Die Häufigkeit des A. wird in den meisten industrialisierten Ländern auf 1–2 % der Bevölkerung geschätzt; dabei nimmt der Anteil an Frauen und Jugendlichen zu. Die Gründe für die steigenden A.ziffern sind noch nicht erforscht; die Lebensbedingungen der industrialisierten Gesellschaft dürften eine wesentliche Rolle spielen. Alkohol ist oft ursprünglich als Mittel der Emotionsregulation und -vermeidung bzw. als Selbstheilungsversuch für andere psych. Probleme wie Ängste (Angststörungen) oder depressive Verstimmungen (Depressivität) eingesetzt worden. Auch wenn die «Ursache» i. d. S. bekannt ist und ebenfalls therap. angegangen werden soll, so geht es doch i. d. R. zunächst darum, die Eigendynamik der Sucht in den Griff zu bekommen. Therapieziel ist i. d. R. völlige Abstinenz, die als leichter einzuhalten gilt als mäßiges Trinken. Anderseits hängt das Ausmaß der Schädigung anders als etwa beim Rauchen vom Ausmaß des Trinkens ab: Deswegen wird in letzter Zeit vermehrt argumentiert, dass auch eine Dosisreduktion bereits ein lohnender Effekt sei.

In der ambulanten und stationären Suchttherapie finden v. a. die Breitbandtherapie (Kombination versch. Behandlungsmethoden) und soziotherap. Maßnahmen Verwendung. Die Wirksamkeit einzelner Therapien ist nachgewiesen, aber nicht überragend. Oft sind mehrere Anläufe nötig, wie auch bei der Abhängigkeit von anderen Substanzen (Sucht- und Substanzbezogene Störungen). Therap. wirksame Elemente sind insbes. das Erlernen von Alternativen zum Einsatz von Alkohol als «Problemlöser» und ein Vergrößern der Selbstkontrolle. Wichtig ist das Auffangen von Krisen zur Rückfallprophylaxe. Selbstkontrolltraining wie Rückfallpräventionstraining sind bei reinem Alkoholmissbrauch wirksamer als bei körperlicher Alkoholabhängigkeit. Für Ersteres wird für 70 % der Betroffenen eine Verbesserung berichtet. Selbsthilfegruppen spielen dabei eine große Rolle, unabhängig davon, ob die von ihnen verwendeten Konzepte wiss. haltbar sind. Diagn. Instrumente, die im Bereich A. eingesetzt werden, sind im Verzeichnis diagn. Verfahren in Anhang II aufgeführt. Alkoholismus, Psychopharmakotherapie.

Verwendete Literatur

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