Allgemeinbildung

 

(= A.) [engl. general knowledge, general education], [PÄD], bez. sowohl den Prozess als auch das Ergebnis der Vermittlung von allg. Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen. Dieses Ensemble von Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen ist allg. in Abgrenzung zum spezialisierten Wissen und Können, die in spezialisierten Ausbildungsinstitutionen (Lehrstellen, Berufsschulen, Universitäten) vermittelt und für Berufstätigkeiten benötigt werden. Es ist zudem allg., da es grundlegende Kulturtechniken umfasst, die eine Teilhabe am (gegenwärtigen und zukünftigen) gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Zu diesen Kulturtechniken zählen neben Schreiben und Lesen basale Kompetenzen zu math.-naturwiss. Modellierungen. Aufbauend auf solchen grundlegenden Kompetenzen umfasst A. Orientierungswissen u. a. zur Mathematik, Kunst, Politik, Geschichte oder Philosophie. Alle Mitglieder einer Gesellschaft sollten die Möglichkeit haben, dieses Wissen und Können zu erwerben. In Gesellschaften mit allg. Schulpflicht ist die Schule die wichtigste Instanz, die dafür sorgt, dass eine gewisse Übereinstimmung bei den kult. Grundfertigkeiten unter den Mitgliedern einer Gesellschaft besteht. A. ist ein Konzept, das vornehmlich in der Erziehungswissenschaft diskutiert wird (Tenorth, 1994). Dort geht es u. a. um die normative Frage, welche Grundbildung oder welches Orientierungswissen für alle erstrebenswert ist. Und es geht dort um die Frage, wie diese Grundbildung vermittelt werden kann, und diese Frage betrifft auch viele Fragestellungen der Päd. Ps. (Bromme & Kienhues, 2008). Z. B. basiert die päd. Erwartung, dass die Auseinandersetzung mit spezif. Themen im Schulunterricht eine Wirkung auf die Allgemeinbildung der Schüler hat, auf der Hypothese von Lerntransfer (Transfer). Päd.-psychol. Forschung kann diese Hypothesen überprüfen, z. B. die Annahmen über die Bildungswirkungen des Lateinunterrichts (Haag & Stern, 2003).

Der rasche gesellschaftliche, technische und kult. Wandel erfordert lebenslanges Lernen, das auch Kenntnisse und Fertigkeiten einschließt, die für die Teilhabe an der Gesellschaft jenseits des Berufs erforderlich sind. Hierfür spielen Fähigkeiten des (selbstregulierten) Lernens (Lernen, selbstorganisiertes), Lernmotivation (Lernmotivation, intrinsische und extrinsische) und metakognitives Wissen (Metakognition) eine Rolle. Ferner können Fähigkeiten zum kritischen Denken, epistemische Überzeugungen und ein Verständnis von kogn. Arbeitsteilung (Wissenschaftskommunikation) als psychol. Ansätze zur A. gerechnet werden. Mit kritischem Denken (critical thinking) werden die Fähigkeiten zum und zugleich die Prozesse des zielgerichteten Denkens und Kommunizierens bez., die in Übereinstimmung mit den Normen des logischen, rationalen und math. Schlussfolgerns (Denken), Urteilens (Urteilsbildung, Dimensionen) und Argumentierens (Argumentationstheorie) stehen. Es kann demnach als prozeduraler Aspekt der A. betrachtet werden, der für verschiedenste Wissensinhalte anwendbar ist. Auch eine Laien-Wissenschaftstheorie i. S. von Überzeugungen über das (wiss.) Wissen als kult. Konstruktion (epistemologische Überzeugungen) ist ein Teil der A., da ein Grundverständnis von der Genese, Begründung und Verteilung von Wissen zu dem gehört, was zur Teilhabe an der Gesellschaft erforderlich ist.

Schließlich gehört auch zur A. die Fähigkeit zur Auswahl und Bewertung von Wissensangeboten. A. ist eine Voraussetzung wie auch ein Ergebnis der Suche, Auswahl und Bewertung von Informationen, z. B. im Internet. Das Internet bietet Informationen aller Art, fordert aber auch die Auswahl der relevanten und der vertrauenswürdigen Informationen aus der Fülle der Informationsangebote (Medienkompetenz, Mediennutzungsforschung, Medienrezeption). Deshalb trägt die ps. Forschung zur rezeptiven wie auch zur kommunikativen Nutzung (Web 2.0) solcher netzbasierten Informationsangebote zum psychol. Verständnis der A. bei. In der Päd. Ps. werden einzelne thematische Teilbereiche der A. auch als Literacy konzeptualisiert, z. B. Scientific Literacy (Fokus: Naturwiss.), Digital Literacy (Fokus: Umgang mit Informationstechnologie). Diese unterschiedlichen theoretischen Konzepte und damit auch thematischen Schwerpunktsetzungen zum Inhalt der A. reflektieren unterschiedliche Anwendungs- und Lebenskontexte, in denen A. psychol. relevant ist.

Referenzen und vertiefende Literatur

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