Analytische Psychologie

 

[engl. analytical psychology; gr. ἀνάλυσις (analysis)Auflösung], [KLI], Bez. für die Ps. C.G. Jungs, auch Komplexe Ps. (T. Wolff) genannt. Jung war Empiriker und ging vom erfahrbar Psychischen aus. Psyche ist die Gesamtheit aller bewussten und unbewussten Regungen. Die Psyche zerfällt in Bewusstes und Unbewusstes.

(1) Struktur: Das Ich macht das Zentrum des Bewusstseinsfeldes aus, wobei die Persona als Hülle des Ich dieses nach außen hin vertritt und einen Kompromiss zw. Individuum und Sozietät bildet. Das Bewusstsein ist die Funktion, welche die Beziehung psych. Inhalte zum Ich unterhält. Es ist strukturiert nach zwei Einstellungstypen: extra- und introvertiert und nach vier Funktionstypen: Denken, Fühlen, Empfinden und Intuieren. Die erste Einstellung und zwei Funktionen stehen i. d. R. dem Bewusstsein zur Verfügung; die zweite Einstellung und die zwei anderen Funktionen verhalten sich dazu kompensatorisch und sind unbewusst. Das Unbewusste zerfällt in ein persönliches Unbewusstes (Vergessenes, Verdrängtes, unterschwellig Wahrgenommenes, Abgesunkenes) und in ein kollektives Unbewusstes, das der Mutterboden allen Bewusstseins ist. Das kollektive Unbewusste enthält ererbte Möglichkeiten des psych. Funktionierens überhaupt (Archetyp). Dieses Erbgut ist allg. menschlich und bildet die Grundlage alles indiv. Psychischen.

(2) Dynamik: Das in Strukturen eingeteilte psych. System wird lebendig durch die Libido = allg. psych. Energie. Die Psyche ist ein in sich geschlossenes System und gleichzeitig ein System mit Selbstregulierung. Intensitätsdifferenzen werden ausgeglichen. Aus dem Bewusstsein abgezogene Energie ist im Unbewussten und umgekehrt (Kompensation). Beim gesunden Individuum ist die Libido progressiv, d. h., sie passt sich den ständig wechselnden Umweltbedingungen an. Im Falle einer Neurose wird die Libido regressiv. Progression und Regression sind Formen der Energieumsetzung nach außen (Umwelt) oder innen (archetypische Bilder). Als Energietransformator wirkt das Symbol.

(3) Prozess: Da die Psyche sich selbst reguliert, treten für alle exzessiven Vorgänge sofort und zwangsläufig Kompensationen ein. Gibt es im menschlichen Leben einen Konflikt, für den die bisherige Anpassung nicht mehr ausreicht, so wird ein Teil des Konfliktes verdrängt, sinkt ins Unbewusste, bildet einen Komplex und saugt psych. Energie an. Diese Energie fehlt dem Bewusstsein. Es entsteht eine Neurose. Ein der Notlage entspr. Archetyp wird kompensatorisch im Unbewussten konstelliert. Er ist stark energetisch besetzt und zieht dadurch das Bewusstsein an. Der Libidofluss wendet sich regressiv den bisher unbewussten Bildern zu, belebt diese archetypischen Bilder und vermag sie mithilfe der Assimilation dem Bewusstsein anzugliedern und diesem damit wieder Energie zuzuführen. Das Individuum kann sich mit der so gewonnenen Neuorientierung wieder progressiv der Außenwelt zuwenden. Die Konzepte von Jung sind für viele, auch Laien, faszinierend. Eindeutige Belege dafür, dass die daraus abgeleiteten Therapien bei psych. Problemen helfen, sind aber bisher in bemerkenswert geringem Umfang vorgelegt worden. Tiefenpsychologie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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