Angststörungen

 

(= A.st.) [engl. anxiety disorders], [KLI]Angst (= A.) ist eine adaptive, das Überleben fördernde Emotion, die den Menschen hilft, Gefahrensituationen im Alltag zu bewältigen. Sie bewirkt eine Zuwendung der Aufmerksamkeit zur Gefahrenquelle und eine Beschleunigung der Reaktionen, mit denen die Gefahr unschädlich gemacht oder vermieden wird (fight or flight). Bei realen Gefahren ist A. somit angemessen. Wenn jedoch Ä. ohne reale Gefahr oder unangemessen stark bei nur geringfügiger Bedrohung auftreten, werden sie als A.st. bez. Die Merkmale klin. auffälliger A.st. sind (1) hohe Intensität, unter der die Betroffenen leiden, (2) Irrationalität, d. h. situative Unangemessenheit, und (3) aus der A. resultierende Beeinträchtigung der Betroffenen bei der Bewältigung des Alltagslebens. Typischerweise führen A.st. zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Berufs oder der Erfüllung der soz. Rolle, etwa im Familienleben.

A.s. können grob in situationsgebundene Ä., Phobien (Phobische Störungen), und solche, die nicht durch best. Reize oder Situationen hervorgerufen werden, unterteilt werden. Die beiden Klassifikationssysteme DSM und ICD stimmen weitgehend in ihrer Klassifikation der A.st. überein (s. Anhang I). Sie werden im Wesentl. unterteilt in: (1) spezifische Phobien, dazu gehören etwa Tierphobien oder Ä. vor best. Situationen wie Höhe; (2) Sozialphobie, die A. vor Situationen, in denen man mit unbekannten Personen konfrontiert bzw. von ihnen beurteilt wird; (3) Agoraphobie, die A. vor Situationen der Öffentlichkeit, v. a. solchen, vor denen eine Flucht schwierig ist; (4) Panikstörung, das Auftreten wiederholter, unerwarteter Panikattacken; (5) Posttraumatische Belastungsreaktion (Posttraumatische Belastungsstörung), die intrusiv wiederkehrenden, belastenden Erinnerungen an ein furchterregendes, von hoher Gefahr gekennzeichnetes Ereignis; (6) Zwangsstörungen, wiederholte, unangebrachte Gedanken und Impulse oder Verhaltensweisen (z. B. Händewaschen oder Kontrollieren), (7) Generalisierte Angststörung, lang anhaltende, übermäßige A. und Sorgen über alltägliche Ereignisse und Probleme.

A.st. wurden früher auch als Neurosen bez. (und werden auch heute noch im ICD-10 zus. mit anderen Ängsten und Bewusstseinsstörungen unter Neurotische Störungen zus.gefasst). Über die letzten Jahrzehnte wurden Unterschiede zw. den versch. A.st. hinsichtl. der Merkmale, des Verlaufs und der Spezifität wirksamer Behandlungsmethoden präzisiert. So stützte sich die Diagnostik anfangs auf vermutete frühkindliche Ursachen, während die Störung nun aufgrund der unmittelbar, in den vorangegangenen Wochen, aufgetretenen Symptome bestimmt wird. Es bedarf einer best. Anzahl bzw. Art von Symptomen, um die Störung als solche zu diagnostizieren. Es wurde eine große Anzahl von kogn.-verhaltenstherap. Behandlungsansätzen und -methoden entwickelt (Verhaltenstherapie), deren Wirksamkeit in kontrollierten Untersuchungen wiederholt nachgewiesen wurde. Sie sind in erster Linie auf die aufrechterhaltenden Faktoren der Störung ausgerichtet. Zu den wichtigsten Behandlungsmethoden gehören die schrittweise Gegenüberstellung mit der unangebracht gefürchteten Situation (systematische Desensibilisierung, Konfrontation mit Reaktionsverhinderung), die Vermittlung von Bewältigungsmethoden und die Veränderung unangemessener Einstellungen und Überzeugungen.

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.