Angststörungen, neurobiologische Grundlagen

 

[engl. neurobiology of anxiety disorders], [BIO, KLI], beschreiben erkrankungsassoziierte Befunde bzgl. der Neurotransmission (Neurotransmitter), der Genetik sowie strukturellen und funktionellen Hirnveränderungen (Gehirn) bei Angststörungen nach ICD-10 (Panikstörung, Generalisierte Angststörung, Soziale Phobie, isolierte Phobie, Agoraphobie). Die Panikstörung ist mit einer verminderten Verfügbarkeit des präsynaptischen Serotonintransporters, des Serotonin-1A-Rezeptors sowie einem reduzierten Bindungsverhaltens des Gamma-Aminobuttersäure-A-(GABAA)-Rezeptors im limbischen System und kortikalen Strukturen assoziiert. Pat. mit einer sozialen Phobie weisen neben erniedrigten Oxytocin-Spiegeln im Bereich des anterioren kortikalen Cingulums (ACC) ebenfalls eine Reduktion des postsynaptischen Serotonin-1A-Rezeptors in (para-)limbischen Regionen auf. Vereinzelt konnte eine pos. Korrelation zw. der Symptomschwere und dem Ausmaß der jew. Veränderung gefunden werden. Zwillingsstudien konnten für alle Angststörungen erhöhte Konkordanzraten zeigen. In der Folge identifizierten molekulargenetische Kopplungsuntersuchungen bei versch. Angststörungen assoziierte Genloci, wobei jedoch bisher nur die Loci 7p und 13q bei der Panikstörung mehrfach repliziert werden konnten. Während in Assoziationsanalysen mit den Genen für die Katechyl-O-Methyltransferase (COMT), den Adenosin-2A-Rezeptor, Cholezystokinin, den Serotonin-2A-Rezeptor, die Monoaminooxidase-A (MAO-A) sowie Galanin wiederholt Kandidatengene für die Panikstörung identifiziert werden konnten, blieben bei phobischen Störungen Befunde für die COMT, MAO-A und den Dopamintransporter jew. singulär. In der funktionellen Bildgebung wurden bei allen Angststörungen Aktivitätsveränderungen in der Amygdala, dem ACC sowie teilweise im Bereich des Hippocampus und des präfrontalen Kortex gefunden. Strukturelle Befunde bei der Panikstörung, der GAS und isolierten Phobien beziehen sich auf volumetrische Veränderungen der Amygdala, des Hirnstamms, des ACC, des Pons und der Insula.

Referenzen und vertiefende Literatur

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