Anspruchsniveau

 

(= A.) [engl. aspiration level], [EM, KOG], aus der Schule Lewins (Dembo, 1931) stammender Begriff, der 1935 von J. D. Frank als level of aspiration in die amerikanische Literatur übernommen wurde. A. ist definiert durch den Schwierigkeitsgrad einer Leistung, die sich ein Mensch abverlangt. Nach Atkinson (1964) ist die typische Sequenz für A.vorgänge: (1) letzte Leistung, (2) Setzen des A., (3) neue Leistung, (4) Reaktion auf die neue Leistung. Zw. (1) und (2) ergibt sich die Zieldiskrepanz, zw. (2) und (3) die Leistungsdiskrepanz, zw. (3) und (4) die Response auf Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren (Erfolg und Misserfolg), die das A. beeinflussen. Sie wurden zunächst von Lewins Schülern untersucht: Hoppe, Frank, Jucknat u. a., dann (unter dem Titel Leistungsmotivation) von Atkinson, McClelland, Heckhausen, Weiner. Entscheidend ist die Einstellung zu Erfolg und Misserfolg. Vorhergehender Erfolg lässt das A. ansteigen, Misserfolg abfallen. Umgekehrt hängt vom A. ab, was als Erfolg oder Misserfolg erlebt wird, indem Versagen bei Schwierigkeitsgraden erheblich oberhalb des A. nicht mehr als Misserfolg erlebt wird. Das A. steigt mit dem tatsächlichen Leistungsniveau. Das Verhältnis von Leistungsniveau und A. ist hinsichtlich versch. Betätigungen bei einem Menschen relativ konstant und kann als charakteristisch angesehen werden. Anstieg des Leistungsniveaus auf einem Gebiet kann zu einem höheren A. auch auf anderen Gebieten führen. Menschen, die relativ häufig Misserfolg erlebt haben, neigen zu unrealistisch hohem oder zu extrem niedrigem A. Die einer Gruppe eigenen Leistungsmaßstäbe wirken sich auf das A. ihrer Mitglieder aus. In der Theorie des Lernens ist der Begriff A. wichtig als Ausdruck für das Maß an Anstrengung, das ein Mensch aufzubieten bereit ist, und bildet einen wichtigen eigenständigen Aspekt der motivierenden Kräfte beim Lernen neben Begriffen wie Wiederverstärkung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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