Aphasie

 

(= A.) [engl. aphasia; gr. ἀφασία (aphasia) Sprachlosigkeit], [BIO, KOG], vollst. oder teilweiser Verlust von Funktionen des zentralen Sprachsystems nach abgeschlossenem Spracherwerb (Sprachentwicklung, Sprachstörungen), verursacht durch kortikale und subkortikale Hirnverletzungen (Hirnschädigung) in Spracharealen (Sprachzentrum) vornehmlich der linken, sprachdominanten Hemisphäre, selten nach Schädigung der rechten Hemisphäre (gekreuzte Aphasie; Lateralisierung, Lateralität).

Eine A. kann einerseits vaskulär (Schlaganfall (zerebrovaskuläre Erkrankungen), Schädel-Hirn-Trauma) verursacht sein, sodass Gefäßsyndrome mit typischen Leitsymptomen (AAT) entstehen. Als Standardsyndrome gelten die Broca-Aphasie mit Agrammatismus, die Wernicke-Aphasie mit Paragrammatismus, die globale Aphasie mit Mutismus, Automatismen/Stereotypien oder Neologismen und die amnestische Aphasie mit Wortfindungsstörungen. Typ. Komorbiditäten sind Beeinträchtigungen von Sprechplanung (Sprechapraxie), Sprechausführung (Dysarthrie) und exekutiver Leistungen (z. B. Arbeitsgedächtnis). Heutzutage wird eine detaillierte Erhebung der betroffenen und erhaltenen Sprachfunktionen einer ausschließlichen Zuordnung von Syndromen vorgezogen. Die A. kann auch degenerativ (Demenz, (primär) progressive Aphasie) verursacht sein; der schleichende Verfall der sprachlichen Funktionen wird häufig von kommunikativen, kogn. und mnestischen (Gedächtnisstörungen) Störungen begleitet. Eine A. kann auch im Kindesalter durch eine plötzliche Hirnschädigung auftreten (meist Schädel-Hirn-Trauma), sodass bereits erworbene Sprachfunktionen ganz oder teilweise wieder erlernt werden müssen und die weitere Sprachentwicklung sich ggf. verzögern kann (kindliche A.).

Verwendete Literatur

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