Apperzeption

 

(= A.) [engl. apperception; lat. appercipere etwas hinzubemerken], [KOG, PHI], von Leibniz geprägter phil. Begriff für die synthetische Funktion des Bewusstseins. Im Ggs. zu einfacher Wahrnehmung (Perzeption) wird sinnlich Gegebenes durch Aufmerksamkeit und durch Erinnerung aufgefasst und angeeignet, indem es in den Bewusstseinszus.hang eingeordnet wird. Leibniz und auch Kant haben von dieser psych., empirischen A. eine reine, transzendentale A. unterschieden als fundamentales Vermögen des Bewusstseins, des Selbstbewusstseins und der Einheit aller Vernunfterkenntnisse. Herbart verstand A. empirisch als Auffassung, d. h. als bewusste, geistig aktive Tätigkeit des Aneignens eines Inhalts und seiner Eingliederung in die «A.masse» des Bewusstseins. Wundt beschrieb genauer das Eintreten eines Vorgangs in das Blickfeld des Bewusstseins, was aktiv und willkürlich oder passiv und unvorbereitet erfolgen kann. Diese Zuwendung der Aufmerksamkeit als «Bewusstseinssteigerung» leitet eine umfassende synthetische Leistung ein, in der Sinneseindrücke (Wahrnehmung), Gefühle, Willensregungen, Vorstellungen und andere psych. Teilprozesse apperzeptiv verknüpft werden. In Wundts Apperzeptionspsychologie erhält die phil. Idee vom Bewusstsein als Synthese eine empirische Grundlage mit psychol. Konzepten und exp. Methoden wie der mentalen Chronometrie komplexer Reaktionszeiten. A. ist für Wundt ein zentrales theoret. Annahmengefüge über den integrativen Prozess der Bewusstseinstätigkeit, d. h. selektive Aufmerksamkeitssteuerung, aktive kogn., emot. und volitionale Integrationsleistungen und die Initiierung von Handlungstendenzen.