Appraisal (Einschätzungs)-Theorien

 

(= A.) [engl. appraisal Einschätzung], [EM, KOG], kogn. Theorien der Emotionsentstehung. A. nehmen an, dass Emotionen durch best. kogn. Beurteilungen (appraisal) eines Ereignisses verursacht werden. A. unterscheiden sich in ihren Aussagen, welche Einschätzungen grundlegend für eine Emotionsentstehung sind und in welcher Reihenfolge sie vorgenommen werden. Z. B. schlägt das Komponenten-Prozess-Modell (Scherer, 2009) vier zentrale Stimulus-Evaluation-Checks (SECs) vor, die sich wiederum aus Einschätzungen von spezif. Ereignisaspekten zus.setzen: (1) Beurteilung der Relevanz eines Ereignisses für die eigene Person oder Eigengruppe. Einschätzungen (a) des Neuigkeitswerts, (b) der intrinsischen Angenehmheit, (c) der Bedürfnisrelevanz. (2) Beurteilung derImplikationen des Ereignisses. Einschätzungen (a) der Verantwortlichkeit (Attribuierung), (b) der Ergebniswahrscheinlichkeit, (c) der Erwartungsdiskrepanz, (d) der Zielkongruenz, (e) der Dringlichkeit. (3) Beurteilung des Bewältigungspotenzials. Einschätzungen (a) der Kontrollierbarkeit der Folgen, (b) des eigenen Fähigkeitspotenzials (Macht), (c) des Anpassungspotenzials. (4) Beurteilung der normativen Signifikanz. Einschätzung des Ereignisses und seiner Folgen hinsichtlich (a) interner Standards (persönliche Normen) und (b) externer Standards (Normen, soziale).

Die Beurteilung auf einer Stufe baut auf dem Ergebnis der vorangehenden Stufe auf, sodass sich eine sequenzielle Abfolge der SECs ergibt, die logisch miteinander in Verbindung stehen. Durch die kontinuierliche Ereignisabschätzung ergibt sich ein dynamischer Prozess der Emotionsentstehung, in dem eine emot. Episode zunehmend ausdifferenziert wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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