Atropin

 

(= A.) [engl. atropine], [BIO, PHA], syn. Hyoscyamin, parasympathikushemmende Substanz, die neben Hyoscin (Scopolamin) in Nachtschattengewächsen (z. B. Tollkirsche, Stechapfel, Bilsenkraut) vorkommt. A. ist ein kompetitiver Antagonist der muskarinergen Acetylcholinrezeptoren. Hauptsächlich anticholinerge physiol. Wirkungen in geringen Dosen (0,55 mg): Pupillenerweiterung, Akkommodationslähmung, Schweiß- und Speichelreduktion (Hautwiderstandserhöhung, Mundtrockenheit), Beseitigung von Spasmen (bes. Magen-Darm-Bereich), Peristaltik-Hemmung, Herzbeschleunigung (bei sehr niedrigen Dosen Verlangsamung). A. hat zentralnervöse Wirkungen. Bei Tieren findet sich im EEG langsame Aktivität (5–8 Hz), Verminderung der Arousalreaktion der Formatio reticularis bei Stimulierung (z. B. Licht). Hauptsächliche psych. Wirkungen (mehrere Std.) bei niedrigen Dosen (0,5–5 mg oral) subj. Desaktivierung, die mehrere Std. andauern kann. Leistungen zeigen ein uneinheitliches Bild, überwiegend Beeinträchtigungen. Bei höheren Dosen (10 mg) Erregung, bei sehr hohen Dosen manchmal Halluzinationen. In Untersuchungen bei Tieren, die z. T. anders als Menschen reagieren, scheinen in niedrigen Dosen Symptome von Sedierung weniger ausgeprägt zu sein als beim Menschen. Theoretisch bedeutsam ist die EEG-Verhaltensdissoziation (EEG-Verlangsamung ohne Desaktiviertheit). Das Nebeneinander von Aktiviertheits- und Desaktivierungssymptomen bei Tier und Mensch ist nicht befriedigend geklärt. Manche psych. Effekte sind nicht zentral, sondern peripher bedingt durch die starken vegetativen Effekte (ungewöhnliche vegetative Sensationen).

Referenzen und vertiefende Literatur

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