Aufmerksamkeit

 

(= A.) [engl. attention], [KOG, WA], A. im kognitionspsychol. Kontext (Kognitionspsychologie) bezieht sich auf die Fähigkeit, Informationen zu selektieren und andere zu ignorieren, um diese zur Grundlage von Wahrnehmung, Denken und Handlungen zu machen. Neben der Selektionsfunktion der A., aber mit dieser im Zusammenhang stehend, kann A. auch durch eine Dimension der Intensität i. S. der Aktivierung bzw. alertness und der Vigilanz (Wachsamkeit) charakterisiert werden, wobei die beiden Aspekte unabhängig voneinander betrachtet und erforscht werden. Das Konzept der A. ist theoretisch eingebettet in den kognitionspsychol. Ansatz, der den Menschen als einen Information verarbeitenden Organismus betrachtet (Informationsverarbeitung): Information aus der Umwelt wird mit und durch die Sinnesorgane (Sinnesorgan) registriert, in neuronale Signale transformiert und im Gehirn repräsentiert (Repräsentation); internale Repräsentationen werden durch kogn. Prozesse verändert, um Denken zu vermitteln und Handlungen zu kontrollieren, durch die der Organismus wieder mit der Umwelt interagiert. Eine zentrale Frage ist, auf welcher Ebene kogn. Verarbeitung Prozesse der selektiven A. angesiedelt sind: auf einer relativ frühen Ebene perzeptueller Verarbeitung, der Ebene der kogn. Verarbeitung oder einer relativ späten Ebene der Handlungsplanung bzw. -ausführung, wobei sich die Forschung hauptsächlich auf die Differenzierung perzeptions- und handlungsbezogener Selektion konzentriert.

A.prozesse werden häufig mit der Methode der visuellen Suche untersucht. Dabei haben Pbn die Aufgabe, so schnell und so akkurat wie möglich festzustellen, ob sich ein Zielreizobjekt in einer Anordnung von Ablenk- oder Distraktor-Objekten befindet oder nicht, und durch das Drücken einer vordefinierten Taste zu reagieren. Ergebnisse zeigen zwei unterschiedliche Selektionsmechanismen auf. Unterscheidet sich der Zielreiz durch ein Merkmal wie etwa seine Farbe, Größe oder Orientierung von den Distraktoren, so wird er effizient und schnell entdeckt; unterscheidet der Zielreiz sich hingegen von den Distraktoren durch eine spezif. Verknüpfung von Merkmalen, so ist die Suche ineffizient und die Suchzeit ist abhängig von der Anzahl der zu verarbeitenden Objekte. Visuelle Suchen haben – zus. mit anderen exp. Vorgehensweisen, wie etwa der Darbietung eines räumlichen Hinweisreizes an der Stelle, an der später der Zielreiz erscheint – zu einer Konzeption geführt, die die Selektion als durch einen räumlich begrenzten Fokus vermittelt ansieht: Man spricht von der Spotlight-Metapher der A. (Aufmerksamkeit, Scheinwerfermetapher). Informationen innerhalb des A.fokus werden selektiert und können das Verhalten beeinflussen, Informationen außerhalb des Fokus werden dagegen ignoriert. Der A.fokus kann durch Eigenschaften des Stimulus (external) oder willentlich (internal) kontrolliert werden, wobei ein auffälliger Stimulus in der Lage ist, sich gegenüber der willentlichen A.kontrolle durchzusetzen. Untersuchungen der Wirkung von A. auf der Ebene einzelner Zellen im temporalen und okzipitalen Kortex haben gezeigt, dass Aufmerksamkeit die funktionale Größe rezeptiver Felder moduliert, sodass ein Stimulus, der eigentlich in der Lage ist, ein Neuron mit einem best. rezeptiven Feld zum Feuern zu bringen, von dem entspr. Neuron nicht mehr repräsentiert wird. Untersuchungen mit der Methode bildgebender Verfahren zeigen, dass A. durch ein Netzwerk kortikaler und subkortikaler Areale vermittelt wird. Dabei übernehmen frontale Areale Kontrollfunktionen, wie etwa die Festlegung einer aktuellen Selektionsregel, und parietale Areale vermitteln die Implementierung der Selektion (Aufmerksamkeit, fronto-parietales kortikales Netzwerk).

Modelle der selektiven Aufmerksamkeit nehmen an, dass die Informationsverarbeitung in zwei Stufen erfolgt. In einem initialen Verarbeitungsschritt wird die Gesamtheit der von einem Sinnesorgan encodierten Informationen kurzzeitig repräsentiert (parallele Verarbeitung). Im der Folge ist die Verarbeitung durch einen Engpass charakterisiert, der dadurch ins Spiel kommt, dass nicht alle parallel encodierten Informationen für die zielgerichtete Verhaltenssteuerung eingesetzt werden können; vielmehr lässt der Engpass die Selektion nur eines einzelnen Stimulus oder nur einer sehr geringen Menge von Informationseinheiten zu (serielle Verarbeitung).