Aufmerksamkeit, Filtertheorie

 

[engl. filter model/theory of attention], [KOG, WA], die Filtertheorie (= F., Broadbent, 1958) fasst drei grundlegende empirische Ergebnisse zu einer der ersten theoretischen Erklärungen der Aufmerksamkeit zus. Die F. ist auch für aktuelle kogn. Ansätze relevant, indem sie die Informationsselektion vermittels paralleler und serieller Verarbeitungsstufen bzw. -mechanismen erklärt sowie die Existenz eines Verarbeitungsengpasses postuliert, der relativ früh, d. h. innerhalb des perzeptuellen Teils des kogn. Systems, angesiedelt ist. Die Grundlagen der F. sind Untersuchungen zum dichotischen Hören (dichotisch, Cherry, 1953), in denen Nachrichten an die beiden Ohren dargeboten werden, von denen eine zu verfolgen ist; die Frage ist, welche Aspekte der nicht verfolgten Nachricht Pbn berichten können. Dabei zeigte sich, dass physikal. Eigenschaften des Stimulus eine entscheidende Rolle bei der Selektion bzw. Deselektion von sensorischen Informationen zukommt. Eine zweite Grundlage ist die psychologische Refraktärperiode, eine Beschränkung in der Informationsverarbeitungskapazität, die sich in längeren einfachen Reaktionszeiten auf den zweiten von zwei mit kurzer Verzögerung hintereinander dargebotenen Stimuli manifestiert, wenn die Verzögerung (stimulus-onset asynchrony (SOA)) kürzer wird. Die verlängerten Reaktionszeiten wurden als durch einen Engpass (Flaschenhals (bottleneck) der Informationsverarbeitung) im Verarbeitungssystem verursacht interpretiert, der zur Folge hat, dass die Verarbeitung des ersten Reizes abgeschlossen sein muss, bevor die des zweiten Reizes beginnen kann. Eine dritte Grundlage sind Ergebnisse zum Split-Span-Paradigma.

Broadbent integrierte die drei Befunde in eine theoretische Erklärung i. R. des Informationsverarbeitungsansatzes. Gemäß Filtertheorie gelangen zwei gleichzeitig dargebotene Eingangsreize parallel und gleichzeitig in einen sensorischen Speicher (Gedächtnis). Nur einer der Stimuli passiert auf der Grundlage seiner physikal. Merkmale einen Filter, der nur für Stimuli mit entspr. Merkmalen durchlässig ist. Der zweite, an der Weiterverarbeitung gehinderte Stimulus verbleibt kurze Zeit für evtl. späteren Zugriff im Speicher. Der Filter war Broadbents Ansicht nach notwendig, um ein kapazitätslimitiertes, strikt serielles Verarbeitungssystem (limited-capacity channel) jenseits des Filters vor Überlastung zu schützen; ein Stimulus, der den Filter durchläuft, wird dann von diesem Verarbeitungssystem gründlich, d. h. bis zu einer semantischen Repräsentation, verarbeitet (Aufmerksamkeit, Theorie der späten Selektion). Aufmerksamkeit, Attenuationstheorie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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