Aufmerksamkeit, fronto-parietales kortikales Netzwerk

 

[engl. attention, frontoparietal cortical network], [BIO, KOG, WA], die Verwendung von bildgebenden und psychophysiologischen Verfahren (bildgebende Verfahren, psychophysiologische Methodik) wie der funktionellen Magnetresonanztomografie (funktionelle Magnetresonanztomografie, fMRT) oder der Elektroenzephalografie (EEG, Elektrodiagnostik) zus. mit der Untersuchung von Beeinträchtigungen wie etwa dem Halbseiten-Neglect in der Aufmerksamkeitsforschung zeigte, dass Aufmerksamkeit (= A.) durch mehrere Areale in versch. Gehirnregionen (Gehirn) vermittelt wird. Ausgehend von der Unterscheidung in einen dorsalen und einen ventralen Verarbeitungspfad (dorsaler Pfad, ventraler Pfad) zur Verarbeitung von Lokalisierungs- und Identitätsinformation (Mishkin et al., 1983), wurde in einem integrierenden theoretischen Ansatz (Corbetta & Shulman, 2002) vorgeschlagen, dass die räumliche Verschiebung des A.fokus durch eine Interaktion frontaler und parietaler Areale vermittelt wird. Ein bilaterales dorsales Netzwerk (die intra-parietalen Sulci (IPS) und die Frontal Eye Fields (FEF) umfassend) vermittelt dabei primär willentliche bzw. intentionsgesteuerte A.verlagerungen, und ein rechtslateralisiertes ventrales Netzwerk (bestehend aus der temporo-parietalen Verbindungsregion (TPJ) und dem ventralen frontalen Kortex (VFC)) kontrolliert die Orientierung der A. auf nicht beachtete bzw. unerwartet auftauchende Stimuli. Die Darbietung symbolischer Hinweisreize (cue, Aufmerksamkeit, ortsbasierte) zieht erhöhte Aktivierung im dorsalen Netzwerk nach sich; bzgl. der Funktion wird angenommen, dass bilateral von den frontalen Augenfeldern (FEF) Kontrollsignale, welche die zu beachtende Position im Raum spezifizieren, an den Bereich um die Sulcos intraparietales übertragen werden, die IPS wiederum «fokussieren» die Verarbeitung im visuellen Kortex auf die durch den Hinweisreiz indizierte Position. Das dorsale Netzwerk scheint also ausschließlich die Kontrolle willentlicher A.verschiebungen zu vermitteln. Das ventrale Netzwerk ist, im Ggs. zum bilateralen dorsalen Netzwerk, stark auf die rechte Gehirnhemisphäre lateralisiert und wird nach der Registrierung von Zielreizen aktiviert, die an unbeachteten bzw. unerwarteten Positionen erscheinen, während die Darbietung von Hinweisreizen vor der eigentlichen Aufgabe keine Aktivierung nach sich zieht. Es wird angenommen, dass im ventralen Netzwerk der VFC die «Neuheit» von Stimuli bewertet wird, während die TPJ eher deren Relevanz hinsichtlich der aktuellen Aufgabe vermittelt. Eine weitere wichtige Funktion des ventralen Netzwerks liegt darin, die normale Funktion des dorsalen Netzwerks zu unterbrechen, wenn ein aufgabenrelevanter Stimulus außerhalb des aktuellen A.fokus entdeckt wird. Dies geschieht durch die Übermittlung eines Signals von der ventralen TPJ an den dorsalen IPS, wodurch die A. vom aktuellen Ort abgelöst und auf den neuen Stimulus ausgerichtet wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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