Aufmerksamkeit, selektive

 

[engl. selective attention; lat. seligere auswählen], [KOG, WA], die Selektionsfunktion der Aufmerksamkeit (= A.) ist eine der zentralen kogn. menschlichen Fähigkeiten (Kognition). Sie vermittelt die Selektion best., für zielgerichtetes Denken und Handeln (Handlung) relevanter sensorischer Informationen bzw. die Deselektion nichtrelevanter Information. Modelle selektiver A. gehen davon aus, dass die Verarbeitung sensorischer Information zwei aufeinanderfolgende Stufen umfasst. In einem ersten Schritt rufen alle Informationen, die ein Sinnesorgan erreichen, eine Sinnesreaktion hervor und werden kurzfristig gespeichert; man spricht von paralleler Verarbeitung. In einem zweiten Schritt werden mithilfe eines spezif. Mechanismus bestimmte Informationen zur Steuerung zielgerichteten Verhaltens selektiert. Es wird von versch. möglichen Selektionsmechanismen ausgegangen. Ein ortsbasierter Mechanismus selektiert alle Information, die sich innerhalb eines definierten räumlichen Bereichs befinden; ein objektbasierter Mechanismus selektiert innerhalb eines definierten Bereichs best. Objekte, während andere Objekte ignoriert werden; ein merkmalsbasierter Mechanismus selektiert ein best. Merkmal, wie etwa eine best. Farbe. Orts-, objekt- bzw. merkmalsbasierte Selektion ist serieller Natur, d. h., die Menge der selektierten Information ist stark limitiert. Es wird davon ausgegangen, dass nur ein Objekt (objektbasiert) bzw. alle Instanzen eines Merkmals, bspw. alle Objekte einer best. Farbe, Orientierung oder Größe (merkmalsbasiert) selektiert werden können.

Einflussreiche Modelle selektiver A. wie die Merkmalsintegrationstheorie (Treisman & Gelade, 1980) gehen davon aus, dass die Selektion in zwei aufeinanderfolgenden Verarbeitungsstufen erfolgt. In einer ersten Stufe werden die einzelnen Merkmale aller sich in einer visuellen Szene befindlichen Objekte in einer topografischen, d. h. in einer die räumlichen Relationen der Objekte im Kontext aufrechterhaltenden Weise in merkmalsspezifischen Karten repräsentiert, d. h., für jedes Merkmal existiert eine Karte. Ein Objekt, das durch ein auffälliges Merkmal aus einer Anordnung anderer Objekt heraussticht und dadurch eine einzelne Repräsentation in einer der Merkmalsrepräsentationen generiert, löst direkt eine Antwort aus. Die Verarbeitung von Objekten, die sich durch Merkmalskombinationen von anderen Objekten in einer visuellen Szene unterscheiden, erfordert die Integration der Merkmale, was durch die Ausrichtung fokaler A. auf jew. korrespondierende Orte versch. Merkmalsrepräsentationen vermittelt wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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