Aufmerksamkeit, Theorie der späten Selektion

 

[engl. late selection theory of attention; lat. seligere auswählen], [KOG, WA], während Modelle der Aufmerksamkeit wie die Filter- (Aufmerksamkeit, Filtertheorie) oder die Attenuationstheorie (Aufmerksamkeit, Attenuationstheorie) vorschlagen, dass eine auf physikal. Merkmalen des Stimulus basierende Selektion früh im Verarbeitungsstrom i. S. einer perzeptuellen Selektion erfolgt, geht ein alternativer Ansatz davon aus, dass Selektion erst auf einer späten, mit der Reaktion assoziierten Ebene erfolgt (Deutsch & Deutsch, 1963). Diesem Konzept der handlungssteuernden Selektion zufolge werden alle Eingangsreize durch perzeptuelle und diskriminatorische Mechanismen vollst. analysiert, unabhängig davon, ob ihnen Aufmerksamkeit zugewiesen wird oder nicht. Ob die Reize danach weiter verarbeitet werden, d. h., ob sie bspw. ins Gedächtnis gespeichert oder zur Kontrolle von motorischen Handlungen (Motorik) eingesetzt werden, hängt von ihrer Relevanz für die momentane Aufgabe bzw. die akt. Handlungsziele (Ziele) ab. Die Bestimmung der Relevanz für eine große Menge von Eingangsreizen erfordert einen effizienten Gewichtungsprozess. Prinzipiell gibt es zwei mögliche Mechanismen: ein seriell arbeitender Prozess, der einen Reiz nach dem anderen auf seine Relevanz hinsichtlich aktueller Ziele hin untersucht – wobei freilich kaum vorstellbar ist, dass ein solcher Prozess die notwendigen multiplen Vergleiche in der extrem kurzen Zeit leisten kann, die die Wahrnehmung und Erkennung von Reizen in Anspruch nimmt. Die Alternative ist ein paralleler Prozess, der alle Eingangsreize schnell und effizient analysiert. Die Funktionsweise eines solchen Prozesses lässt sich nach Deutsch & Deutsch (1963) anhand der folg. Analogie illustrieren: Der größte Schüler in einer Klasse kann durch das Absenken einer einzigen Messlatte über den Köpfen aller aufgereihten Schüler ermittelt werden: Der Schüler, dessen Kopf zuerst die Latte berührt, ist der größte. Theoretische Ansätze der späten Selektion müssten also nach empirischer Evidenz für die Existenz geeigneter Mechanismen paralleler Gewichtung suchen, mit denen zeitintensive multiple serielle Vergleiche umgangen werden können. Ein sehr häufig und mit großem Erfolg verwendeter empirischer Ansatz liegt darin, Leistungsaspekte, meist Reaktionszeitkomponenten zu identifizieren, die mit perzeptuellen oder aber reaktionsvorbereitenden bzw. -ausführenden Prozessen assoziiert werden können. Durch exp. Manipulationen verursachte Modulationen der perzeptuellen Verarbeitung sprechen dabei für eine frühe Selektion, während Veränderungen auf der Reaktionsebene für späte Selektion sprechen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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