Aussagen, wissenschaftliche

 

[engl. scientific propositions], [FSE, PHI], wiss. Erkenntnisse werden in Aussagen (= A.) unterschiedlicher Allg. und Fundierung formuliert: Untersuchungsbefunde und -interpretationen, Annahmen oder Postulate (nicht spez. überprüfte Voraussetzungen), Hypothesen (Erwartungen über empirische oder stat. Ergebnisse), Gesetze (empirisch bestätigte Ursache-Wirkungs-Zus.hänge), Theorien (mit mehreren verknüpften Gesetzen) und Modelle (veranschaulichende Darstellungen von Strukturen, Zus.hängen oder Abläufen). Ihre Präzision kann durch Rückgriff auf formale Kalküle aus Logik und Mathematik erhöht werden, insbes. durch Quantifizierungen wie «für alle» i. S. der Prädikatenlogik sowie Verknüpfungen durch Junktoren wie «und» oder die Implikation «wenn …, dann …» i. S. der Aussagenlogik. Durch die Implikation wird die deduktive Ableitung einer Aussage (der Konklusion) aus einer anderen (der Prämisse) rekonstruiert (z. B. einer empirischen Vorhersage aus einer Theorie). Gemäß der aussagenlogischen Schlussform des Modus tollens folgt dann aus der Falschheit der Konklusion zwingend die Falschheit der Prämisse, was die Grundlage für die deduktive Methodologie von Popper darstellt (Kritischer Rationalismus). Bei analytischen Aussagen ergibt sich die Wahrheit aus formalen Gründen (sog. Vernunftwahrheiten wie die Syllogismen der Prädikatenlogik). Die Wahrheit von synthetischen Aussagen ergibt sich aus ihrer Korrespondenz mit den Sachverhalten, auf die sie sich beziehen (sog. Tatsachenwahrheiten). Sie sind grundsätzlich mit Unsicherheit behaftet (fallibel). Als Wahrheitskriterien sind Kohärenz (mit anderen akzeptierten A.) und Konsens (zw. Fachleuten) wichtig. Während deduktiv-implikative Ableitungen von Aussagen (Deduktion) wahrheitskonservierend und nicht gehaltserweiternd sind, sind etliche wiss. Argumentationen (z. B. Vorhersagen und Verallgemeinerungen) induktiv (Induktion), d. h., der Gehalt der zweiten Aussage geht über den der ersten hinaus und wird von ihr nur mehr oder minder unterstützt oder wahrscheinlicher gemacht. Dieser Grad der (induktiven) Stützung einer Aussage (z. B. einer Gesetzeshypothese) durch eine oder mehrere andere (z. B. über empirische Ergebnisse) ist analytisch vermutlich nicht eindeutig bestimmbar, wohl aber können pragmatisch Faktoren beschrieben werden, von denen die Güte, Adäquatheit oder die Berechtigung eines induktiven Schlusses abhängen kann. Denken, Forschungsprozess.

Referenzen und vertiefende Literatur

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