Autonomieentwicklung

 

(= A.) [engl. development of autonomy; gr. αὐτός (autos) selbst, νόμος (nomos) Gesetz], [EW, PER, SOZ], A. beschreibt den Prozess des Selbstständigwerdens eines Individuums (Autonomie). Dabei entwickelt die Person Fähigkeiten, ihr Leben unabhängig von anderen zu gestalten, indem sie sich selbstständig Ziele setzt, und ihr Erleben und Verhalten eigenverantwortlich unter Berücksichtigung eigener Werthaltungen (Werte) reguliert. Die A. verläuft auf der kogn., der affektiven und der Verhaltensebene. Das Ausmaß von Unabhängigkeit kann in versch. Bereichen (z. B. Werthaltungen, Selbstvertrauen, Handlungsregulation) unterschiedlich ausgeprägt sein. A. ist ein Thema während der gesamten Lebensspanne (Lebensspannenpsychologie), erlangt aber im Jugendalter eine besondere Bedeutung im Prozess der Ablösung von den Eltern. A. wird in Kindheit und Jugend gefördert durch die Möglichkeit, auf der Basis sicherer emot. Bindungen und vor Gefahren geschützt zunehmend den eigenen Aktionskreis erweitern und durch eigenständiges Tun Erfahrungen machen und Verantwortung übernehmen zu können. Die Ausbildung von Werthaltungen, die das eigene Handeln regulieren, wird durch die Möglichkeit zur Partizipation an Entscheidungen gefördert (Moral).

In der Kindheit ist v. a. die Selbstständigkeit im Verhalten bedeutsam. Im Jugendalter kommen emot. Unabhängigkeit und die Entwicklung eigener Werte hinzu. Ein zentrales Thema der A. im Jugendalter (Adoleszenz) ist neben der Ablösung von den Eltern auch das Verhältnis zu Gleichaltrigen. Hier wird nach einer Phase starken Strebens nach Akzeptanz bei den Peers (Peergroup) in der frühen Adoleszenz, was z. T. mit konformem Verhalten einhergeht, in der späten Adoleszenz eine reife Unabhängigkeit realisiert. Unter der Perspektive der Entwicklung der Lebensspanne wird zunehmend Autonomie im hohen Lebensalter bedeutsam. Hier kann es aufgrund körperlicher und kogn. Abbauprozesse zu Verlusten der Autonomie kommen (Psychologie des Alterns). independente, elterliche Strategie.