Baroreflex-Sensitivität

 

(= BRS) [engl. baroreflex sensitivity], [BIO, DIA], beschreibt die Sensitivität und Integrität des arteriellen Baroreflexes, der die Aufrechterhaltung des arteriellen Blutdrucks zum Ziel hat. Barorezeptoren sind Dehnungsrezeptoren, die v. a. in den großen Arterien (z. B. Aorta und Carotis) lokalisiert sind. Versch. Populationen der Barorezeptoren reagieren auf das absolute Blutdrucklevel oder dessen kurz- oder langfristige Veränderungen. Diese Informationen werden in eine Reflexschleife im Hirnstamm übermittelt, an der u. a. Strukturen im Nucleus tractus solitarius, im Nucleus ambiguus, sowie der caudalen und rostralen ventrolateralen Medulla beteiligt sind (Gehirn; Jänig, 2006). Der Blutdruck wird kontinuierlich durch Anpassung der Herzfrequenz (sympathische und parasympathische Aktivität) und des peripheren Gefäßwiderstands (sympathische Aktivität) reguliert, um einen best. Normbereich zu erreichen. Diese Anpassungen finden von einem Herzschlag zum nächsten statt, weswegen Blutdruck (Blutdruckvariabilität) und Herzfrequenz (Herzratenvariabilität) bei jedem Herzschlag andere Werte aufweisen. Mit BRS ist daher der Zus.hang von Herzfrequenzänderungen (genau: Abstand von einer R-Zacke zur nächsten in Millisek.) in Abhängigkeit von Blutdruckänderungen (in mmHg) gemeint, weswegen die BRS auch in der Einheit ms/mmHg ausgedrückt wird. Die BRS kann im Zeitbereich bei Blutdruckänderungen über einem best. Schwellenwert durch den Zus.hang mit Herzfrequenzänderungen bestimmt werden oder im Frequenzbereich. Dabei wird die Transferfunktion (gewichtete Kohärenzfunktion) zw. den Spektren der Herzratenvariabilität und der Blutdruckvariabilität gebildet und der Mittelwert im Low-Frequency-Band bestimmt, da die Regulation über Barorezeptoren in diesem Frequenzband stattfindet (Robbe et al., 1987). In vielen Studien werden best. Schwellenwerte def., ab denen die BRS als pathologisch anzusehen ist (z. B. < 6 ms/mmHg). Die BRS ist bei der Degeneration afferenter autonomer Nervenfasern (z. B. infolge einer Diabetes-Erkrankung) sowie bei einigen psych. Störungen, wie somatoformen Störungen oder Posttraumatischer Belastungsstörung verringert. Neuronale Signalübermittlung von Barorezeptoren spielt z. B. in Form verringerter Schmerzwahrnehmung oder als wichtige neurophysiol. Grundlage kardialer Interozeption eine Rolle.

Referenzen und vertiefende Literatur

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