Barrierefreie Kommunikation

 

(= BK) [engl. barrier-free communication], [KOG. SOZ], das Konzept der BK umfasst alle Maßnahmen zum Abbau von  Kommunikationsbarrieren in unterschiedlichen Handlungsfeldern. Kommunikationsbarrieren entstehen dann, wenn Texte nicht an die Voraussetzungen der Adressaten angepasst sind (Maas & Rink, 2019). Dabei werden unterschiedliche Barrieretypen unterschieden (Rink, 2019): kogn. Barrieren (die Anforderungen eines Textes übersteigen die kogn. Kapazität der Adressaten), Sinnesbarrieren (Begrenzungen des Sehens oder Hörens), Fachbarrieren (fehlendes fachliches Wissen auf Adressatenseite), Fachsprachenbarrieren (fehlende Kenntnis der spez. Fachsprache), Sprachbarrieren (fehlende Sprachbeherrschung der jew. Primärsprache), Kulturbarrieren und Medienbarrieren (z. B. keine Zugänglichkeit des Trägermediums).  Zur Überwindung solcher Barrieren versucht die Forschung Texte und Informationen aus unterschiedlichen Bereichen (Behörden, Verwaltung und Ämter, Recht, Med. und Pharmazie, Literatur, Theater und Kunst)  für spez. Adressatengruppen so aufzubereiten, dass sie von diesen verstanden werden können und zum eigenständigen Handeln befähigen. Ziel ist es, die gleichberechtigte Teilnahme dieser Gruppen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Zu den Adressaten gehören Menschen mit kogn. oder körperlichen Beeinträchtigungen, insbes. mit Hör- und Seh- sowie Lernbehinderungen, hochaltrige oder wenig literalisierte Personen, Demenzkranke, Menschen mit Migrationshintergrund und Dt.lernende. Die bislang realisierten Maßnahmen umfassen die Abfassung von Texten und Broschüren in verständlicher, einfacher, leichter Sprache, die Übersetzung von Informationen in Gebärdensprache (z. B. Abruf als Fernsehverdolmetschung), die Verwendung von Untertiteln in Filmen, die Erstellung von Hörbüchern, das intralinguale Schriftdolmetschen (für Hörgeschädigte), die Verwendung von Großschrift und Brailleschrift.

Die Forschung zur BK hat in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt, nicht zuletzt weil die Forderung nach Barrierefreiheit i. S. von eigenständiger und leicht zugänglicher Informationsbeschaffung seit 2016 im Behindertengleichstellungsgesetz festgeschrieben ist (§ 4 und §11), was ab 2021 in allen Mitgliedsstaaten der EU für Webseiten sowie mobile Apps gilt und auch überwacht werden soll (EU-Richtlinie 2102). Bislang liegen allerdings noch wenig Studien vor, die die Effektivität von Maßnahmen zum Abbau von Barrieren auch empir. belegen können. Dies dürfte daran liegen, dass dieses noch sehr junge Forschungsfeld bislang primär in der angewandten Linguistik und Übersetzungswiss. beheimatet ist. Da die Forschungsinhalte sich aber stark mit der seit Langem etablierten psychol. Forschung zu kogn. Funktionen, zum Lesen und Textverstehen sowie insbes. zur Textverständlichkeit überschneiden, liegen hier zukünftige Forschungsfelder auch für die Ps.

Referenzen und vertiefende Literatur

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