Begabtenauslese

 

(= B.) [engl. gifted/talented selection], [DIA, PÄD], veralteter Begriff der Angewandten Psychologie bzw. Diagnostik, der bes. aufkam mit der Anwendung von Testuntersuchungen zur Erkennung begabter Jugendlicher und zur Klärung des schulischen Aufstiegs. Historisch erwähnenswert sind die erste von Moede und Piorkowski durchgeführte B. an 13-jährigen Volksschülern (einschließlich Einrichtung einer Begabtenschule) 1917 in Berlin und von W. Stern und R. Peter 1918 in Hamburg. Päd. und bildungspolit. sind nicht die Auslesefunktion als solche – alle Formen der weiterführenden Bildung sind mit Auslese verbunden –, sondern die Zuweisungs- und Dirigierungsfunktionen der Schule (im Hinblick auf künftige Aufstiegschancen, sozioökonomischen Status und soziale Sicherheit, «Elite») und damit die Ausleseverfahren umstritten. B. setzt, wenn sie «gerechte» Auslese sein soll, (1) die Unabhängigkeit der Merkmalsbestimmungen und der Messkriterien von (z. B. schichtspezif., schulpolit., ökonomischen und dgl.) Interessen und (2) die Konstruktion von an diesen Kriterien validierten und zuverlässigen Messinstrumenten (Gütekriterien) voraus. Da die (1) Forderung auf prinzipielle Schwierigkeiten stößt, ist sie (2) nur annäherungsweise als Verbesserung der jew. Verfahren im Erziehungssystem unter Berücksichtigung sozial-strukturell bedingter Unterschiede zu erreichen. I. S. der päd. Diagnostik ist auch für die B. von Bedeutung, ob es sich um den Normalfall einer selektiven Laufbahnentscheidung oder um eine auf die Optimierung des Lernverhaltens zielende didaktische Differenzierungsentscheidung handelt. Differenzierung, Begabung, Begabtenförderung.

Verwendete Literatur

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