Begabung

 

(= B.) [engl. aptitude, giftedness], [KOG, PÄD, PER], lässt sich allg. als indiv. Potenzial für best. Leistungen def. Dieses leistungsbezogene Potenzial resultiert aus einer indiv. Konstellation aus Fähigkeitspotenzialen und Persönlichkeitspotenzialen. B. als Voraussetzung für Leistung versetzt das Individuum durch langfristige systematische Anregung, Begleitung und Förderung in die Lage «sinnorientiert und verantwortungsvoll zu handeln und auf Gebieten, die in der jew. Kultur als wertvoll erachtet werden, anspruchsvolle Tätigkeiten auszuführen» (iPEGE 2009, 16). Diese deutliche Differenzierung zw. B. und Leistung akzentuiert schon der B.forscher Stern (1916, 110) : «B. sind immer Möglichkeiten zur Leistung, unumgängliche Vorbedingungen, sie bedeuten jedoch nicht Leistung selbst».. Diese B.def. betrachten das Leistungspotenzial im Kontext der prospektiven B.forschung, während die retrospektive Expertiseforschung  die Entwicklung von Leistungsexzellenz auf dem Weg vom Novizen zum Experten in best. Domänen fokussiert. So trennt Ziegler (2008) Personen, die wahrscheinlich einmal Leistungsexzellenz erreichen werden (d. h. Hochbegabte) von Personen, die schon sicher Leistungsexzellenz erreicht haben (d. h. Hochleistende). B. können sich auf die Gesamtheit (i. S. von Allgemeinb.) oder auf spez. Bereiche (i. S. von Spezialb. bzw. Talenten; z. B. musikalische B., sportliche B., künstlerische B.) des indiv. Fähigkeitspotenzials beziehen. Dabei umfassen B.formen neben intellektuellen B. (z. B. verbale, numerische, räumliche B. auch nicht intellektuelle B. (z. B. musisch-künstlerische, sensomotorische, sozial-emot. (soziale Kompetenzen) B.). Damit zeigt sich, dass der B.begriff meist weiter gefasst wird als der Begriff der Intelligenz, der zumeist für B.formen im intellektuellen Bereich (i. S. von kogn. Allg.b.) verwendet wird. I. R. eines erweiterten B.verständnisses wird auch der Kreativitätsbegriff einbezogen, zumal Kreativitätsfacetten (i. S. von Denkoperationen) für alle B.formen (i. S. von Inhaltsbereichen) relevant sein können (z. B. Dichtung, Architektur, Malerei). Bezogen auf die B.entwicklung besteht in der B.forschung weitestgehend Einigkeit, dass sich B. durch Interaktion von Anlagen und Umwelt entwickeln (Anlage-Umwelt), was sich in dem immer noch anerkannten B.verständnis von Aebli (1969, 163) zeigt. Dieser schlägt vor, «dass man B. als die Summe aller Anlage- und Erfahrungsfaktoren ansehen sollte, welche die Leistungs- und Lernbereitschaft eines Menschen in einem best. Verhaltensbereich bedingen». Diese Anlage-Umwelt-Debatte hat historische Wurzeln, zumal die biblisch geprägte nativistische Auffassung (i. S. von Beschenken mit Talenten) bis in die 1950er-Jahre dominierte, nach der B. als angeb. galt. Durch den Einfluss des Behaviorismus wurde dieser Standpunkt durch die milieutheoret. Auffassung abgelöst, nach der B. als umweltbedingt aufgefasst wurde. Diese Positionen spiegeln in der von Roth geprägten Debatte um die Ablösung des statischen (d. h. angeb. Leistungsdisposition) durch den dynamischen B.begriff (d. h. kult. angeregte B.entwicklung) wider. Diese Wechselwirkung von Ererbtem mit Erworbenem wird in neuerer Zeit durch die Epigenetik (Epigenese) bestätigt, da die Aktivierung genetischer Anlagen durch Umwelterfahrungen nachhaltig gesteuert wird (Anlage-Umwelt). In den Diskussionen zur B.entwicklung wird zunehmend der aktive Lernprozess (Lernen, aktives) fokussiert, da nach Weinert (2000) Lernen der entscheidende Mechanismus bei der Transformation hoher B. in exzellente Leistung darstellt. Dabei kommt neben den Fähigkeitspotenzialen und Persönlichkeitspotenzialen (Persönlichkeitsmerkmal, z. B. Leistungsmotiv) auch den Umweltressourcen (z. B. exzellente Lernumgebungen) große Bedeutung für den Lern- und Entwicklungsprozess zu. Diese Einflussfaktoren finden sich in den Moderatorenmodellen, wie dem Münchener (Hoch-)B.modell von Heller & Perleth oder dem Differenzierten B.- und Talentmodell von Gagné (2005) wieder (Hochbegabung, intellektuelle). Hier erweisen sich (Wechsel-)Wirkungen von internen Potenzialen Persönlichkeits- und externen Ressourcen in den versch. Domänen zur Erklärung von Leistungsexzellenz, aber auch von Underachievement als wichtig. Damit nähern sich die B.forschung und Expertiseforschung an, wie das systemische Aktiotop-Modell der (Hoch-)B. von Ziegler (2005) mit der Relevanz der B.förderung (i. S. der gezielten Unterstützung von Begabten) verdeutlicht.

Verwendete Literatur

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