Behaltensspanne, Entwicklung der

 

(= B.) [engl. memory span, development], syn. Gedächtnisspanne, [EW, KOG], bez. die Anzahl an Items, die nach einmaliger Präsentation erinnert werden können. Die B. vergrößert sich kontinuierlich mit dem Alter. Bspw. können Zweijährige zwei Items, Dreijährige drei Items, Fünfjährige vier Items, Siebenjährige fünf Items und Neunjährige sechs Items einer vorgegebenen Zahlenreihe richtig erinnern. Im Erwachsenenalter können dann ca. sieben Items richtig wiedergeben werden. Die B. scheint nicht domänenübergreifend, sondern eher abhängig vom Material, das erinnert werden soll, zu sein. Das bedeutet, die B. ist für versch. Material unterschiedlich. Für Wörter beträgt die B. bei Zweijährigen drei Items, bei Sechsjährigen vier Items, und ab etwa zwölf Jahren können dann fünf Wörter reproduziert werden. Darüber hinaus hängt die B. auch vom Vorwissen in einem spez. Gebiet ab. Kinder, die Experten auf einem best. Gebiet sind, können in diesem Gebiet mehr Items erinnern als erwachsene Novizen. Betrachtet man aber die Entwicklung der B., dann scheint diese eher durch domänenübergreifende Prozesse erklärt zu werden. Gründe für die bessere Leistung älterer Kinder in Aufgaben zur B. sind zunehmendes Wissen, ein größerer Wortschatz und die vermehrte Übung. Darüber hinaus entwickelt sich auch der Einsatz von Behaltensstrategien. Kinder zw. drei und vier Jahren setzen Behaltensstrategien (wie z. B. Wiederholung) noch nicht aktiv ein. Auch wenn man diesen Kindern explizit eine Behaltensstrategie beibringt, können sie diese noch nicht nutzen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass der Erwerb einer Gedächtnisstrategie und auch deren Anwendung in einer Behaltensaufgabe die Aufmerksamkeits- und Behaltensspanne eines Kleinkindes übersteigt. Erst mit zunehmendem Alter können Behaltensstrategien erfolgreich eingesetzt werden. Außerdem hängt die Steigerung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, die sich im Laufe der Entwicklung einstellt, wesentlich mit der Verbesserung der B. zus. Die Entwicklung der B. scheint also eine Interaktion zw. biol. Reifungsprozessen und erfahrungsabhängigen Faktoren zu sein. Aufmerksamkeit, Gedächtnis.

Verwendete Literatur

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