Beobachtung

 

(= B.) [engl. observation], [DIA. FSE], Bez. für zielgerichtete und meth. kontrollierte Wahrnehmung von Objekten, Ereignissen und Prozessen. B. ist die grundlegende Methode der Datengewinnung in den Erfahrungswissenschaften (z. B. Ablesen von Messgeräten). Beim B.prozess sind mehrere Aspekte zu unterscheiden: (1) der Beobachter, (2) das Objekt, (3) die Umstände, (4) die Mittel (Sinnesorgane, Hilfsmittel, Hilfstätigkeiten), (5) das theoretische Wissen, mit dem die Aspekte (1)–(4) aufeinander bezogen werden. Zu dieser allg. Art der B. kommen in der Ps. noch die Verhaltensb. (Fremdbeobachtung) und die Selbstbeobachtung (Erlebnisb., Introspektion). Verhaltensb. ist auf das Verhalten von menschlichen oder tierischen Individuen oder Gruppen von Individuen gerichtet.

Die Systematik der Verhaltensb. wird nach mehreren Gesichtspunkten vorgenommen: (1) systematische (wiss.) B. – unsystematische (naive, unwiss.) B.; (2) natürliche B. – künstliche B. (diese Unterscheidung bezieht sich auf den Grad der Kontrolle, die der Beobachter über die Variablen der Situation hat. So kann das Experiment als künstliche B. aufgefasst werden, bei der der Experimentator mind. eine Bedingung variiert); (3) direkte B. – indirekte B. (indirekte B. bezieht sich nicht direkt auf das Verhalten, sondern auf dessen Spuren und Auswirkungen, z. B. Dokumentenanalyse); (4) vermittelte B. – unvermittelte B. (bei der vermittelten B. wird dem Beobachter ein technisches Aufnahmegerät vorgeschaltet, z. B. Filmkamera, Tonbandgerät. Neben dem Vorteil der beliebigen Wiederholbarkeit besteht häufig die Möglichkeit, das Material mithilfe technischer Hilfsmittel weiter aufzubereiten, z. B. Frequenzfilter, Zeitlupe, -raffer. Nachteile ergeben sich aus den durch die technischen Geräte bedingten Einschränkungen); (5) teilnehmende B. – nicht teilnehmende B. (bei der teilnehmenden B. ist der Beobachter Mitglied der beobachteten Gruppe. Teilnehmende B. wird weiter untergliedert in aktive und passive); (6) wiss. (offene) B. – unwiss. (verdeckte) B. (diese Unterscheidung bezieht sich darauf, ob das beobachtete Individuum weiß, dass es beobachtet wird, oder nicht. Bei der wiss. B. muss man zumindest in den Anfangsphasen mit Verhaltensänderungen rechnen, bei der unwiss. B. treten ethische Probleme auf).

Damit das, was beobachtet wird, zu einem kommunizierbaren wiss. Datum wird, muss ihm eine sprachliche Formulierung zugeordnet werden. B. des Verhaltens und Beschreibung des Beobachteten sind nicht unabhängig voneinander, einerseits hängt die verwendete Sprache von vorangegangenen B. ab, andererseits werden auch B. anhand von vorgegebenen B.kategorien vorgenommen. Eine Verhaltensb., die nicht der Voruntersuchung dient, verlangt Festsetzung dessen, was beobachtet werden soll (Objekt, Ereignis etc.), des Ortes und des Zeitraumes, der B.frequenz (Zeitstichprobe, fraktionierte B., time-sampling), der angewendeten B-.technik und der Technik der Aufzeichnung. Dabei ist die Leistungsfähigkeit der Beobachter zu berücksichtigen. Beurteilungsfehler, Beurteilerübereinstimmung

Verwendete Literatur

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