Beratung, psychologische

 

(= p. B.), [engl. psychological counseling], syn. psychosoziale Beratung [GES, KLI, PÄD, SOZ], gehört zu den Stützen im Gesamt des «social support» und steht im sozialen Netz neben anderen Quellen professioneller und nicht professioneller Hilfeleistung. Eine spezif., eindeutige und hinreichend weit akzeptierte Begriffsbestimmung von p. B. gibt es allerdings bislang nicht. Entspr. Versuche differieren je nach Anwendungsbereich und Erkenntnisinteresse, nicht selten sind sie verbunden mit dem Bemühen einer Abgrenzung gegenüber Psychotherapie. Auf einer allg. Ebene kann man p. B. verstehen als zw.menschlichen Prozess, in welchem eine Person (Ratsuchender, Klient) in und durch die Interaktion mit einer anderen Person (Berater) mehr Klarheit über eigene Probleme und deren Bewältigungsmöglichkeiten (Bewältigungsstrategien, Coping) gewinnt (Rechtien & Irsch, 2006). Demnach ist es nicht der Berater, der die Probleme löst, sondern der Klient. Zudem werden die Voraussetzungen dafür durch die Interaktion zw. Berater und Klient geschaffen. Gegenüber der verbreiteten Alltagsauffassung, dass jemand sich mit seinen Schwierigkeiten an einen Experten wendet und von diesem Ratschläge zur Behebung dieser Schwierigkeiten erhält, ist «Rat geben» in diesem Verständnis allenfalls eine mögliche Randerscheinung. Das Ziel von p. B. ist also die Förderung von Problemlösekompetenz (Problemlösen). Die überwiegende Zahl aller B.konzeptionen beruht auf psychoth. Ansätzen oder ist von diesen abgeleitet. Weitere wichtige Quellen sind die um die Jhd.wende in den USA entstandene Child guidance-Bewegung, die bis auf den heutigen Tag die Arbeit mit psych. und sozial benachteiligten Kindern beeinflusst, und die – seit 1922 in Dt. durch Reichsgesetz geregelte – Berufsberatung mit ihrer Betonung p. Diagnostik als Grundlage für B.vorgänge (Rechtien, 2004a). Mit der Betonung des Selbstbestimmungsrechtes der Klientel hat sich das Selbstverständnis der p. B. von einer defizitorientierten zu einer präventiven und ressourcenorientierten Sichtweise (Prävention, Ressourcenorientierung) geändert. Im Gesetz über die Berufe des Psychol. Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (Psychotherapeutengesetz (PsychThG)), das im Jahre 1999 in Kraft trat, geschieht die Abgrenzung von Psychoth. zur B. durch Ausschlusskriterien: «ps. Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben», gehören nicht zur Psychoth. (PsychThG § 1, Abs. 3). Etwas genauer def. das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Straumann, 2001) mit einem Bezug auf die Bewältigung aktueller Krisen. In der Folge der Abgrenzung entwickelt die p. B. ein eigenständiges professionelles Selbstverständnis (Seel, 2009). Dieser Professionalisierungsprozess betrifft nicht nur die Ausübung von p. B., sondern auch und bes. die Ausbildung für diese Tätigkeit (Rechtien, 2009a, b). Hierum bemühen sich Verbände wie die Vereinigung von Hochschullehrern zur Förderung von Beratung/Counseling in Forschung und Lehre (VHBC e.V.) und die Dt. Gesellschaft für Beratung sowie versch. Hochschulen durch die Einrichtung entspr. Studiengänge. Obwohl p. B. innerhalb gruppaler Settings eine lange Tradition hat, ist die Vorstellung von B. als ein dyadischer Prozess weitverbreitet. Dabei gibt es eine Reihe von Gründen, für beraterische Arbeit den Rahmen einer Gruppe zu wählen. Diese reichen von zeit- und finanzökonomischen Gründen über den Versuch, neben dem Berater andere Personen als Lernmodell zu nutzen, veränderte Interaktionserfahrungen zu machen usw. bis hin zu der Auffassung, dass psychosoziale Probleme in sozialen Gruppen entstehen und also auch in solcher Konstellation bearbeitet werden müssen (Rechtien, 2004b). Eine wesentliche Herausforderung für den Entwicklungsprozess von p. B. ergibt sich aus den Folgen der Globalisierung. B.prozesse zw. Personen mit unterschiedlichen kult. Wurzeln stellen nicht nur B.praxis und B.kompetenzen auf den Prüfstand, sondern auch die Reichweite der handlungsleitenden Theoriekonzepte p. B. mit ihren anthropologischen, persönlichkeits- und veränderungstheoretischen Annahmen (Rechtien, 2012; interkulturelle Kommunikation). Wichtige Felder der B. sind u. a. Erziehungsberatung, Schulb. (Schulpsychologie), Eheberatung und Partnerschaftsb., Berufsberatung, Gesundheitsb., Suchtb., Krisenb. [www.gesetze-im-internet.de/psychthg_sgb5ua_ndg/BJNR131100998.html].

Referenzen und vertiefende Literatur

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