berufliche Handlungskompetenz

 

(= b. H.) [engl. vocational action competency], [AO, PÄD], um die Befähigung zur selbstständigen und effektiven Ausübung best. beruflicher Tätigkeiten zu beschreiben, wurde der Begriff der b. H. in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie der Arbeits- und Organisationsps. geprägt (Schaper, 2011). Der Kompetenzbegriff (Kompetenz) ist somit in diesem Zusammenhang in einem ganzheitlichen und integrativen Sinne zu verstehen und bezieht neben fachlich-funktionalen auch soziale, motivationale, volitionale und emot. Aspekte menschlichen Arbeitshandelns mit ein. B. H. bezieht sich somit sowohl auf Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die zur erfolgreichen Bewältigung best. beruflicher Aufgaben und Problemstellungen benötigt werden, sie schließen darüber hinaus auch fach- und berufsübergreifende sowie persönlichkeitsnahe Leistungsvoraussetzungen mit ein, die Individuen zur Bewältigung von Aufgaben befähigen, für die sie noch keine fertigen und direkt abrufbaren Handlungsprogramme und Wissensvoraussetzungen besitzen.

Zur Operationalisierung und Klassifizierung (Klassifikation) unterschiedlicher b. H. hat sich eine Aufteilung in die Bereiche Fach-, Methoden-, Sozial- und Personal- bzw. Selbstkompetenz eingebürgert: (1) Fachkompetenz: Dieser Kompetenzbereich beinhaltet spezif. Kenntnisse und Fertigkeiten, die zur Bewältigung beruflicher Aufgaben benötigt werden. (2) Methodenkompetenz: Hierunter werden situationsübergreifend einsetzbare kogn. (Kognition) und metakognitive (Metakognition) Fähigkeiten verstanden, die zur selbstständigen Bewältigung komplexer Aufgaben gefordert sind. (3) Sozialkompetenz: Dieser Bereich beinhaltet Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten zum erfolgreichen Realisieren von Zielen und Plänen in sozialen Interaktionssituationen, was sich in kommunikativen und kooperativen Verhaltensweisen von Organisationsmitgliedern zeigt. (4) Personale oder Selbstkompetenz: Dieser Bereich umfasst einerseits persönlichkeitsbezogene Dispositionen wie Einstellungen, Werthaltungen (Werte) und Motive, die das Arbeitshandeln beeinflussen (z. B. Zuverlässigkeit oder Kundenorientierung). Andererseits sind mit diesem Kompetenzbereich auch Fähigkeiten zur Selbstwahrnehmung (z. B. zur Reflexion eigener Fähigkeiten) und zur Selbstorganisation (z. B. Zeitmanagement) angesprochen.

Die Entwicklung bzw. der Erwerb von b. H. (Kompetenzentwicklung) kann sowohl i. R. von systematischen Aus- und Weiterbildungsprozessen erfolgen (Aus- und Fortbildung), wird aber auch durch arbeitsplatzintegrierte, informelle und selbstorganisierte Lernprozesse (Lernen, selbstgesteuertes) erworben. Eine wirkungsvolle Gestaltung von Lerngelegenheiten zum Erwerb von b. H. erfordert, dass die Lernenden sich aktiv sowie handlungs- und problemorientiert mit den Tätigkeitsanforderungen in realen oder simulierten Anforderungskontexten auseinandersetzen und an die Bewältigung entspr. Anforderungen stufenweise herangeführt werden. Für Rückmeldungs- (Feedback) und Prüfungszwecke bedarf es darüber hinaus Methoden zur Messung bzw. Diagnose der Ausprägung bzw. des Entwicklungsniveaus von b. H. Entsprechende Ansätze befinden sich allerdings noch in der Entwicklung (Bonse-Rohmann et al., 2008).

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.