Bewegungswahrnehmung

 

[engl. motion/movement perception], [WA], Wahrnehmung (= W.) von Bewegung (= B.; untersucht v. a. die visuelle Wahrnehmung); im Ggs. zu einer physikal. B. geht eine erlebte B. nicht notwendig mit einer Ortsveränderung einher. Die W. einer B. in der Frontalebene entsteht durch sukzessive Reizung benachbarter Netzhautpunkte (Scheinbewegungen), auch ohne dass eine B. in der Umwelt vorliegt, vorausgesetzt, dass die retinale (Retina, Auge) Änderung nicht durch eine aktive Augenbewegung entsteht (Reafferenzprinzip); W. einer B. in der Tiefe entsteht z. B. bei kontinuierlicher oder sprunghafter Änderung der Größe des Netzhautbildes eines Objekts oder auch Änderung der Konvergenz oder Querdisparation. Für die Analyse dieser Reizgegebenheiten existieren Detektoren, die jew. selektiv für einen Bereich von Richtungen sind und deren selektive Adaptation zu Bewegungsnachbildern (Wasserfalleffekt) führt sowie zu sinkender Empfindlichkeit für den betroffenen Bereich von Richtungen. In der W. werden gleichzeitige B. mehrerer sichtbarer Punkte in gemeinsame und spezif. Komponenten untergliedert; die Zykloide, die ein Punkt auf dem Umfang eines rollenden Rades durchläuft, werden z. B. nicht wahrgenommen, wenn mehr als ein Punkt sichtbar ist; stattdessen entsteht die W. der horizontalen B. aller Punkte (gemeinsame Komponente) und der Raddrehung (spezif. Komponente). Gleichzeitige B. mehrerer Punkte wird unter natürlichen Bedingungen durch das formkonstante Objekt bestimmt, an dem sie sich befinden; sie trägt daher auch zum Erkennen von Formen bei. Bei geeigneter exp. Anordnung kann die Wahrnehmung einer Form in einem bewegten Punktmuster, das bei statischer Darbietung völlig sinnlos erscheint, verblüffend sein. optischer Fluss, Stereokinese, räumliches Sehen, visuelle Wahrnehmung.