Bildungsberichterstattung

 

(= B.) [engl. educational reporting], [PÄD], moderne Industrienationen steuern ihre Politik typischerweise datengestützt, indem Indikatoren gesammelt und berichtet werden, die bspw. über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung eines Landes Auskunft geben. Mithilfe der B. soll Bildungspolitikern entspr. datengestützte Steuerungsinformation für die Weiterentwicklung des Bildungssystems bereitgestellt werden (Bildungscontrolling, Bildungsevaluation, Bildungsmonitoring): «Indem über Rahmenbedingungen, Verlaufsmerkmale sowie über Ergebnisse und auch über Erträge von Bildungsprozessen berichtet wird, werden vorhandene Informationen systematisch aufbereitet, um sie ihrerseits für politische Steuerung bereit zu halten» (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2012, S. 1). Den Kern der B. stellen ausgewählte Indikatoren (stat. Kennzahlen) dar, die bspw. für Merkmale von Bildungsinstitutionen wie Kindergärten stehen und in Zeitreihen zur Verfügung stehen. In Dt. existiert eine B. seit dem Jahr 2006 und alle zwei Jahre erscheint ein neuer Bericht. Anlass für die Bildungsberichterstattung waren die nach PISA 2000 zunehmenden Anstrengungen der 16 Länder der Bundesrepublik Dt., ein System des Bildungsmonitorings in Dt. aufzubauen. Hierzu zählen neben dem Bildungsbericht die nationalen und internat. Schulleistungsstudien wie TIMSS oder PISA (PISA-Studien). Die systematische Aufbereitung der verfügbaren Zahlen liefert für den Bildungsbericht Informationen zu Bildungserträgen über die gesamte Bildungsspanne. Die Situation der frühkindlichen Bildung wird dementsprechend ebenso aufgearbeitet wie der gesamte Bereich der Erwachsenenbildung. Zusätzlich zu den Grundinformationen über das Bildungssystem enthält jeder Bildungsbericht ein Schwerpunktthema (im Jahre 2012 «kult./musisch-ästhetische Bildung im Lebenslauf»). Grundlage der Berichterstattung bilden dabei die amtlichen Statistiken der Kommunen, der Länder und des Bundes, OECD-Berichte über die Entwicklung der Bildungssysteme in ihren Mitgliedsstaaten, die Berichte zu den nationalen und internat. Schulleistungsstudien sowie Datenquellen einschlägiger Institutionen wie bspw. dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die B. bleibt dabei eher deskriptiv, indem verfügbare Statistiken einfach aufbereitet werden (z. B. Anteile der Schüler, die das allg.bildende Schulsystem ohne Abschluss verlassen). Dabei werden die für Dt. verfügbaren Zahlen häufig mit internat. Zahlen (bspw. aus den OECD-Mitgliedsstaaten) verglichen. Schlussfolgerungen, Interpretationen oder Konsequenzen sollen den politischen Akteuren überlassen bleiben. Der Bildungsbericht verliert am ehesten diesen deskriptiven Charakter, wenn er auf der Systemebene Bezüge zw. den Bildungserträgen und den wirtschaftlichen Erträgen der Bundesrepublik Dt. herstellt. Dasselbe gilt für Darstellungen zum Zusammenspiel von indiv. erworbenen Kompetenzen und Chancen auf einem sich dynamisch entwickelnden Arbeitsmarkt. Inwieweit die B. langfristig positive Effekte auf die Entwicklung eines Bildungssystems hat, ist allerdings eine offene Frage.

Referenzen und vertiefende Literatur

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