Bildungsevaluation

 

(= B.) [engl. educational evaluation]. [FSE, PÄD], Gegenstand von B. ist die empirisch fundierte, systematische Beschreibung, Analyse und Bewertung der Qualität bzw. Angemessenheit von Bildungsmaßnahmen (z. B. Institutionen, Programmen, Projekten oder Materialien). Dadurch soll eine Entscheidungsgrundlage für konkrete Problemstellungen gewonnen und zu Verbesserungen von Bildungsprozessen beigetragen werden. B. ist somit ziel- und zweckorientiert und bewegt sich als Anwendungsforschung in einem Spannungsfeld zw. sozialwiss. Forschungsstand und Bildungspraxis. Neben Korrektheits- und Genauigkeitsstandards wie in der Grundlagenforschung wird deshalb in der B. auch auf Nützlichkeits- und Durchführbarkeitsstandards großer Wert gelegt (Joint Committee on Standards for Educational Evaluation, 2011; Teststandards).

Im Mittelpunkt der B. steht das Zusammenwirken von Input, Prozess und Output sowie Kontext und Feedback: Als Input werden strukturelle, finanzielle, materielle und personelle Bedingungen sowie vorgegebene Bildungsziele aufgefasst. Hierfür wird entweder definiert, welches (Fach-)Wissen in best. Bildungsstufen und ‑einrichtungen zu unterrichten ist (inputorientierte Steuerung, z. B. Lehrpläne), oder es wird beschrieben, welche Kompetenzen zu best. Zeitpunkten einer Bildungslaufbahn vorhanden sein sollten (outputorientierte Steuerung, z. B. Bildungsstandards). Der eigentliche Bildungsprozess wird durch (Qualitäts-)Bedingungen der jew. Bildungseinrichtung und der Lehr-Lern-Situation beeinflusst. Der aus dem Prozess hervorgehende Output – also die unmittelbaren (z. B. Leistung) und längerfristigen (z. B. berufliche Teilhabe) Wirkungen von Bildung – wird unter Bezug auf die Ziele der jew. Bildungsmaßnahme bewertet.

Der gesamte Prozess wird außerdem durch den Kontext beeinflusst, wie z. B. soziale Normen und politische Strukturen oder direkt und indirekt Beteiligte (sog. Stakeholder). Hier bestehen Bezüge zu dem Forschungsbereich der Educational Governance, der sich den Effekten bildungspolitischer Steuerungsentscheidungen und ‑instrumente auf die versch. Ebenen des Bildungswesens (Schüler, Lehrkräfte/Klassen, Bildungseinrichtungen, Programme, Bildungssystem) widmet. Das Feedback bezieht sich auf die Ergebnisse der B., die in formativen Evaluationen prozessbegleitend zurückgemeldet werden (Evaluation, formative, PDCA-Zyklus). Wird das Feedback stattdessen nach Abschluss einer Bildungsmaßnahme auf den Output bezogen, wird dies als summative Evaluation bez. Die weitverbreitete Unterscheidung von interner und externer Evaluation bezieht sich dagegen darauf, ob die B. durch die Beteiligten selbst oder durch Außenstehende durchgeführt wird. Als Meta-Evaluation werden ferner Verfahren bez., mit denen überprüft wird, inwiefern die mit einer B. verbundenen Erwartungen erfüllt werden konnten.

Die systematische Evaluation des Bildungssystems in Dt. hat keine lange Tradition, was auf die Dominanz hermeneutisch geprägter Pädagogik und ein stark interpretativ orientiertes Forschungsparadigma in den Sozialwiss. (empirische Sozialforschung) seit den frühen 1970er Jahren zurückgeht. Erst infolge der öffentlichen Debatte über das schwache Abschneiden dt. Schüler in TIMSS und PISA (PISA-Studien), konnte zu Beginn der 2000er-Jahre eine empirische Wende im dt. Bildungssystem verzeichnet werden. So verpflichtete sich die Kultusministerkonferenz 2006 in der Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring neben einer gemeinsamen Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern zur kontinuierlichen Teilnahme an internat. und nat. stichprobenbasierten Schulleistungsstudien sowie zur regelmäßigen Durchführung flächendeckender Vergleichsarbeiten. Diesen outputorientierten B. ist gemein, dass zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Schulen Schulleistungstests entwickelt sowie in Bezug auf Kompetenzmodelle ausgewertet und zurückgemeldet werden. ethische Grundfragen der Forschung in Bildungseinrichtungen.

Verwendete Literatur

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