Binge-Eating-Störung

 

(= B.) [engl. binge eating disorder; binge Gelage, eating disorder Essstörung], [KLI], ist ein Subtyp der Essstörungen. Etymologisch kommt das Verb «to binge» aus dem nordamerik. Dialekt und bedeutet wörtlich «einweichen» oder «durchtränken». Bei der Übernahme in die Hochsprache wandelte sich der Begriff und beschreibt jetzt exzessiven Konsum von Alkohol, Drogen oder Nahrungsmitteln. Der Begriff B. wurde erstmals 1991 von dem New Yorker Psychiater Robert Spitzer in seiner Funktion als Leiter der DSM-IV Work Group on Eating Disorders vorgeschlagen. Das DSM-5-Manual formuliert folg. Kriterien: (1) Essanfälle, die zeitlich umgrenzt sind und in der Kalorienmenge den Rahmen einer Mahlzeit einer gesunden Vergleichsperson mit ähnlichen Merkmalen und in einem ähnlichen Kontext wesentlich überschreiten und mit einem subj. Kontrollverlust während der Mahlzeit verbunden sind. Dieses Kriterium dient der Abgrenzung von weniger problematischen Formen von Überernährung. (2) Mind. drei der folg. Merkmale müssen erfüllt sein: (a) schnelles Essen, (b) Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl, (c) Essen trotz fehlenden Hungergefühls, (d) alleine Essen aufgrund von Scham wegen des Essverhaltens, (e) Gefühle von Ekel, Depression oder Schuld über das Essverhalten. Auch dieses Kriterium dient der Abgrenzung von weniger problematischen Formen von Überernährung. (3) Ausgeprägtes Leiden und Besorgnis wegen der Störung. (4) Essanfälle im Durchschnitt mind. einmal pro Woche über mind. drei Monate. (5) Kein konsequentes gegensteuerndes Verhalten, d. h., es können nicht gleichzeitig die Kriterien einer Bulimia nervosa oder der Anorexia nervosa erfüllt sein. Die Lebenszeitprävalenz wird auf etwa 1,4 % bei Frauen und 0,4 % bei Männern geschätzt. Frauen und Männer, welche die Kriterien der B. erfüllen, sind häufig erheblich in ihrer psychosozialen Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Aus diesem Außenkriterium lässt sich rückschließen, dass es sich um eine ernste psych. Störung handelt. Komorbidität mit weiteren psych. Störungen, insbes. affektiven Störungen, Angststörungen, substanzbezogenen Störungen, somatoformen Störungen und Persönlichkeitsstörungen, ist sehr häufig. Essanfälle führen zu med. Problemen, insbes. zu Übergewicht, metabolischem Syndrom und Folgeerkrankungen. Die B. kann mit gutem Erfolg psychoth. behandelt werden, auch eine pharmakol. Behandlung ist möglich. Essstörungen, Psychotherapie, Essstörungen, Psychopharmakotherapie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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