bipolare Störungen, Psychotherapie

 

[engl. bipolar disorders, psychotherapy], [KLI], übergeordnetes Ziel der Behandlung bipolarer Störungen (= b. S.) ist die Aufrechterhaltung eines möglichst hohen psychosozialen Funktionsniveaus, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der sozialen Teilhabe (Partizipation) der Pat. Dafür kann Psychotherapie einen wesentlichen und unverzichtbaren Beitrag leisten und wird von Pat.seite auch ausdrücklich verlangt. Psychoth. ist bei b. S. im Regelfall als Ergänzung (adjuvant) und nicht als Alternative zur psychopharmakotherap. Medikation (bipolare Störungen, Psychopharmakotherapie) anzusehen. Ein dauerhafter Therapieerfolg ist ohne eine suffiziente akute und/oder phasenprophylaktische Pharmakotherapie nicht zu erzielen. In Phasen akuter Manie oder schwerer Depression stellt die medikamentöse Therapie oft erst die Voraussetzungen für eine psychotherap. Zugänglichkeit der Pat. her. Psychoth. wird i. R. der Akutbehandlung zur Erhaltung und Stabilisierung und vor allem zur Rezidivprophylaxe eingesetzt. In der Versorgungspraxis wird Psychoth. oft nach Abklingen einer akuten depressiven bzw. (hypo-)manischen Episode angeboten, um den remittierten (euthymen) Zustand zu stabilisieren (Erhaltung) und weiteren Episoden vorzubeugen (Rezidivprophylaxe). Viele Pat. nehmen Psychoth. aber auch während akuter depressiver oder hypomaner Episoden zur Reduktion der Akutsymptomatik in Anspruch. Die beste Evidenz für die Rezidivprophylaxe liegt für die Psychoedukative Therapie, die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die Familienfokussierte Therapie (FFT) und die Interpersonelle und Soziale Rhythmustherapie (IPSRT) vor. Die Evidenz für effektive Akuttherapie ist weniger robust. Zumindest die KVT scheint auch in der Akutbehandlung mit signifikanten Effektstärken zur Reduktion insbes. der depressiven Symptome zu führen. I. R. des Gesamtbehandlungsplanes kommt vor allem der Psychoedukation ein zentraler Stellenwert zu, da sie sowohl die Compliance gegenüber der Pharmakotherapie entscheidend verbessern als auch das motivationale Fundament für Psychoth.maßnahmen herstellen kann. Psychoedukative Interventionen sind als Einzelmaßnahme in ihrer Effektivität mit hoher Evidenz belegt. In der Praxis werden sie routinemäßig im stationären Kontext eingesetzt sowie in der ambulanten Versorgung i. R. der KVT. In Dt. ist unter den evidenzbasierten Psychoth.verfahren zur Behandlung b. S. allein die KVT als Richtlinienverfahren zugelassen. Für die tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychoth. (Psychoanalyse) ist die Evidenzlage nicht ausreichend, um ihre Wirksamkeit beurteilen zu können.

Referenzen und vertiefende Literatur

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