Bowlby, John

 

(1907−1990),  [HIS, EW, KLI], Edward John Mostyn Bowlby wurde in London als viertes von sechs Kindern eines Arztes für Chirurgie geb. John Bowlby wurde selbst Arzt und dann Kinderpsychiater. Für diese Tätigkeit schloss er 1936 mit 30 Jahren eine psychoanalyt. Ausbildung ab. Während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg mussten Kinder evakuiert werden, was Bowlbys Interesse an den Wirkungen der frühen Mutterentbehrung (Mutterbindung) verstärkte. 1940 wurde Bowlby Armeepsychiater und errichtete an der Tavistock Clinic eine Abteilung für Kinderpsychoth. Bowlby untersuchte 44 straffällige Kinder, die durch Diebstähle aufgefallen waren, und fand, dass 17 von ihnen bis zum Alter von fünf Jahren ihre Mütter oder Pflegepersonen entbehrt hatten. Nach Kriegsende wurde Bowlby stellvertretender Direktor der Tavistock Clinic. Bowlby war interessiert an den Arbeiten von Anna Freud und Dorothy Burlingham, die jüdische Kinder betreuten, die zur Nazizeit durch Kindertransporte ohne Eltern nach England gekommen waren. Ebenso interessierte er sich für die Untersuchungen von René Spitz zum Hospitalismus. 1949 erstellte Bowlby einen Bericht über die psych. Gesundheit von Waisenkindern für die Weltgesundheitsorganisation (WHO). 1950 kam Mary Ainsworth an die Tavistock Clinic. Es begann eine jahrzehntelange gemeinsame Arbeit an der Bindungstheorie (Bindung). In den fünfziger Jahren hatte Bowlby auch intensiven Kontakt zu Ethologen wie Nikolaas Tinbergen und Konrad Lorenz. Ferner stand Bowlby auch in Kontakt mit Harry F. Harlow (van der Horst et al., 2008). Anders als die orthodoxe Psychoanalyse betonte Bowlby stärker die Gegenwart des Kindes, weniger die frühkindl. Erfahrungen. Diese Auffassung brachte Bowlby in Kontroversen mit Melanie Klein und in Konflikte mit der British Psychoanalytical Society. Bowlby starb im Alter von 83 Jahren auf der brit. Insel Skye.

Referenzen und vertiefende Literatur

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