Broca-Aphasie

 

(= B.) [engl. Broca's aphasia], nach P.P. Broca (1824−1880), [BIO, KOG], bez. eine Sprachstörung, die nach Hirnschädigungen auftreten kann. Der Begriff B. stammt aus dem 19. Jhd. und wurde später von der sog. neo-klass. Aphasiologie übernommen, als wiederkehrende Symptome zu Syndromen zus.gefasst wurden. Syndromklassifizierungen entsprechen jedoch nicht immer der tatsächlichen Beobachtung und werden deshalb heute in der kognitiven Neuropsychologie durch eingehende Einzelfalluntersuchungen ersetzt mit dem Ziel, versch. Sprachleistungen durch mehrere Tests unabhängig von der Zuordnung zu einem best. Syndrom zu untersuchen. Als grobe Orientierung besitzt die Einteilung in Syndrome aber nach wie vor ihre Berechtigung. B. zählt zu den Standardsyndromen (neben Wernicke-Aphasie, Amnestische Aphasie und Globale Aphasie) und wird traditionell als direkter Ggs. zur Wernicke-Aphasie aufgefasst. Das Sprechen (Sprachproduktion) ist bei B. stockend mit erkennbarer Sprechanstrengung und meist verwaschener Artikulation, abgehakter Betonung und vielen Wortfindungsstörungen. Der Satzbau weist Auffälligkeiten auf, die als Agrammatismus oder Telegrammstil bez. werden. Dabei handelt es sich um stark vereinfachte Äußerungen, die nur auf die für die Kommunikation wichtigen Inhaltswörter (Substantive und Verben) beschränkt sind. Andere Wörter wie Artikel, Pronomen, Adjektive u. Ä. werden hingegen gar nicht oder nur selten gebraucht. Verben werden meist ungebeugt im Infinitiv verwendet. Beim Sprechen von Wörtern kommt es zu häufigen Entstellungen, den sog. Paraphasien (Paraphrasieren), die entweder lautlich (Laschentampe für Taschenlampe) oder inhaltlich (Mutter für Frau) zu einem existierenden Wort in Beziehung gebracht werden können. Das Verstehen von Sprache (Sprachrezeption) ist bei B. relativ gut und Betroffene reagieren in angemessener Rede und Gegenrede in Gesprächssituationen. Spezifische Störungen können beim Verstehen von Sätzen auftreten, die nicht in der typischen Subjekt-Verb-Objekt-Wortfolge erscheinen. Sprachliche Leistungen in kontrollierten Tests wie Nachsprechen, lautes Lesen, spontanes Schreiben und Schreiben nach Diktat sind ebenso wie die Spontansprache von Agrammatismus und Paraphasien geprägt. Aphasie

Verwendete Literatur

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