Bühler, Karl

 

(1879–1963), [EW, HIS, KOG], Entwicklungs-, Denk- und Sprachpsychologe. Studium der Med. in Freiburg, dort 1903 Dr. med., 1904 Dr. phil. bei C. Bäumker in Straßburg; Assistent in Freiburg und bei Külpe in Würzburg, Mitglied der Würzburger Schule der Denkps., 1907 Habilitation in Würzburg mit einer Schrift über Tatsachen und Probleme zu einer Ps. der Denkvorgänge. Bestimmte, plötzliche Lösungseinfälle nennt Bühler Aha-Erlebnis. Über Ziele und Methoden der Würzburger Denkps. gerät Bühler in eine heftige Kontroverse mit dem Jahrzehnte älteren Wundt (Pongratz, 1997). 1909 arbeitet Bühler als Assistent von Külpe in Bonn, 1913–1918 als ao. Prof. in München, 1914–1918 leistet er als Arzt Kriegsdienst, 1918 wird er o. Prof. für Philosophie und Pädagogik an der TU Dresden, 1922 wird er nach Wien berufen, wo er gemeinsam mit seiner Frau Charlotte Bühler das Psychol. Institut zu einer Einrichtung von internat. Bedeutung aufbaut. Das Institut wird nicht von der Universität, sondern von der Stadt Wien finanziert, im Gegenzug verpflichtet sich Bühler am neu errichteten Päd. Institut der Stadt Wien Kurse für angehende Grundschullehrer abzuhalten (Ash, 1988, Benetka, 1995). In seinem Buch zur Krise der Ps. (Bühler, 1927) stellt Bühler die versch. Richtungen der Ps. seiner Zeit kritisch dar und fordert eine Integration der versch. Sichtweisen. In «Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache» (Bühler, 1934), vertritt Bühler eine handlungstheoretische Sprachauffassung; das von ihm entwickelte sog. Organonmodell der Sprache, bringt die Sprachfunktionen Ausdruck, Appell und Darstellung in Zusammenhang. Nach dem sog. Anschluss Österreichs durch die Nationalsozialisten wird Bühler im März 1938 kurze Zeit inhaftiert, emigriert dann mit seiner Frau in die USA, wo er 1945–1955 als Prof. für Psychiatrie an der University of Southern California lehrt.

Verwendete Literatur

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