Bulimie, Bulimia nervosa

 

(= B.) [engl. bulimia; gr. βουλιμία (bulimia) Ochsen-/Heißhunger], syn. Bulimarexie, Fress-Brech-Sucht, [KLI], Subtyp der Essstörungen. Etymologisch kommt der Begriff Bulimia aus dem Gr. und bedeutet wörtlich «Ochsenhunger» oder «Heißhunger». Nervosa soll signalisieren, dass es sich bei der Erkrankung um eine emot. Störung handelt. B. wurde erstmals 1979 durch den Londoner Psychiater Gerald Russel beschrieben und def. Um die Kriterien des DSM-5 oder der ICD-10 (Klassifikation psychischer Störungen) zu erfüllen, sind folg. Kriterien erforderlich: (1) Essanfälle, die zeitlich umgrenzt sind und in der Kalorienmenge den Rahmen einer Mahlzeit einer gesunden Vergleichsperson mit ähnlichen Merkmalen und in einem ähnlichen Kontext wesentlich überschreiten und mit dem subj. Gefühl von Kontrollverlust verbunden sind. (2) Wiederkehrendes gegensteuerndes Verhalten, also Verhaltensweisen, die dazu führen, dass die während eines Essanfalls zugeführte metabolische Energie entweder nicht resorbiert wird, wieder ausgeschieden wird (purging) oder rasch verbraucht wird. Wichtige Bsp. für gegensteuerndes Verhalten sind induziertes Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln (Laxanzien) oder körperliche Bewegung, die primär zum Verbrauch von Kalorien eingesetzt wird. (3) Essanfälle und gegensteuerndes Verhalten treten durchschnittlich mind. einmal pro Woche über drei Monate auf. Dieses Zeitkriterium ist erforderlich, da Esssanfälle und Erbrechen als seltenes Verhalten bei bis zu 45 % der Altersgruppe junger Frauen vorkommt, ohne dass dabei regelmäßig eine psych. Störung besteht. (4) Unangemessene Bedeutung von Figur und Gewicht für die Selbstbewertung. (5) Kein Untergewicht, d. h., es können nicht gleichzeitig die Kriterien einer Anorexia nervosa erfüllt sein. Die Lebenszeitprävalenz wird auf etwa 1 bis 2 % bei Frauen und etwa 0,3 % bei Männern geschätzt. Frauen und Männer, welche die Kriterien der B. erfüllen, sind häufig erheblich in ihrer psychosozialen Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Aus diesem Außenkriterium lässt sich rückschließen, dass es sich um eine ernste psych. Störung handelt. Komorbidität mit weiteren psych. Störungen, insbes. affektiven Störungen, Angststörungen, substanzbezogenen Störungen (Substanzmissbrauch), somatoformen Störungen und Persönlichkeitsstörungen ist sehr häufig. Essanfälle und Erbrechen führen auch zu charakteristischen med. Problemen: Störungen der Mineralstoffkonzentration im Körper, Zahnschäden, Entzündungen der Speiseröhre, Herzrhythmusstörungen, Nierenschäden und endokrinologischen Störungen (Endokrinologie). B. kann mit gutem Erfolg psychoth. behandelt werden, auch eine pharmakol. Behandlung ist möglich. Essstörungen, Psychotherapie, Essstörungen, Psychopharmakotherapie.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.