construal level theory

 

(= c.) [engl. construe auslegen, deuten, interpretieren, level Ebene], [KOG], die c. beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass Personen dasselbe Ereignis mental unterschiedlich repräsentieren, in Abhängigkeit von seiner zeitlichen Entfernung. Ereignisse in der fernen Zukunft werden durch wenige übergeordnete, abstrakte Merkmale repräsentiert, die das Wesentliche der verfügbaren Information enthalten (high-level construal). Ereignisse in der nahen Zukunft werden dagegen eher durch untergeordnete, konkrete Merkmale repräsentiert, die nebensächliche, kontextbezogene Information enthalten (low-level construal). Z. B. denkt ein Schüler bei einem Mathematiktest in der fernen Zukunft (z. B. in zwei Monaten), eher an seine eigenen, generellen Fähigkeiten im Fach Mathematik (high-level); bei einem Mathematiktest in der nahen Zukunft (z. B. in einer Woche) wird derselbe Schüler vermutlich auch an spezifischere Informationen, wie die Anzahl der Fragen und die konkrete Fragestellung denken (low-level).

Ob ein Ereignis eher abstrakt (high-level) oder konkret (low-level) repräsentiert wird, hängt nicht nur von der zeitlichen Entfernung, sondern auch von der psychol. Entfernung i. Allg. ab, das bedeutet, wie weit das Ereignis von der unmittelbaren Erfahrung entfernt ist (z. B. zeitlich, räumlich, sozial oder hypothetisch). Die Art, wie ein Ereignis repräsentiert ist, beeinflusst u. a. die Selbstkontrolle und Entscheidungsfindung (Entscheiden). So führt ein high-level construal eines erwünschten Ereignisses (z. B. seine Gesundheit zu verbessern) zu einer besseren Selbstkontrolle als ein low-level construal, weil das Verhalten eher durch die wesentlichen Ziele (z. B. dass man Joggen geht, um seine Gesundheit zu verbessern) als durch nebensächliche Informationen (z. B. welche Schuhe man anzieht, um zu joggen) bestimmt wird. Bzgl. der Entscheidungsfindung werden Entscheidungen in der fernen Zukunft durch die Wünschbarkeit der Entscheidungsalternativen beeinflusst; Entscheidungen in der nahen Zukunft dagegen durch deren Machbarkeit, weil Aspekte der Wünschbarkeit auf einem high-level repräsentiert werden, Aspekte der Machbarkeit dagegen auf einem low-level.

Referenzen und vertiefende Literatur

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