Daseinsanalyse

 

(= D.), syn. Existenzanalyse [engl. existential analysis], [KLI, PHI], in engerer Bedeutung – gegenüber der breiteren daseinsanalytischen Ps. – ist D. eine Bez. von Ludwig Binswanger für die von ihm entwickelte tiefenpsychol. Konzeption (Tiefenpsychologie). An Husserls «Phänomenologie» und Heideggers «Sein und Zeit» orientiert, handelt es sich um «ein Geschehen, in dem es dem Dasein in seinem Sein wesenhaft um sich selbst geht», nicht um ein Erlebnis, sondern um Wesensschau. Binswanger sucht auf die «Gefügeordnung des Daseins», die allerdings «hinter» dem, was sich an Symptomen zeigt, «verborgen» bleibt, durchzudringen. Mit der Anwendung dieser Konzeption auf die Psychiatrie will er den schizophrenen Menschen (Schizophrenie) aus «wiss.» Impuls aus den Begriffssystemen der Psychopathologie und der Klin. Psychiatrie «in das Menschsein als Dasein oder In-der-Welt-Sein zurückholen». Nach seinen Interpretationen handelt es sich um «versagende Momente» im Daseinsgeschehen. Dabei widerspricht die Erfahrung der «verstiegenen Idealbildung» und führt zur «Aufspaltung des Daseinsvollzuges». Hinter den «missglückten» Daseinsformen (in Verstiegenheit, Verschrobenheit, Manieriertheit) lauert die «Daseinsangst», die Angst, nicht mit dem Leben fertig zu werden. Die tiefenpsychol. fundierte daseinsanalytische Therapie wurde von Binswanger (1956) und Boss (1957) entwickelt. Über die subj. Perspektive des Klienten wird versucht, einen Zugang zu dessen Problem zu bekommen, mit dem Anliegen, Entscheidungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bewusst und verfügbar zu machen. Spezif. therap. Techniken werden nicht beschrieben. Bes. Bedeutung wird in der D. der Therapiebeziehung beigemessen, in der der Pat. als Partner angesehen wird. Über die Wirksamkeit der D. sind bislang keine fundierten Aussagen möglich.

Referenzen und vertiefende Literatur

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