Demenz

 

(= D.) [engl. dementia; lat. de ohne, mens Verstand], syn. Dementia, [KLI], ist eine mit meist chronischen oder fortschreitenden Hirnerkrankungen (Neurodegenerative Erkrankungen) einhergehende Störung der intellektuellen Fähigkeiten und Persönlichkeitsfunktionen, insbes. von Lernen und GedächtnisDenken und Urteilen, Orientierung, Sprache und Rechnen. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung können auch emot. (Emotionen), motivationale (Motivation) und soziale Funktionen beeinträchtigt sein. D. ist von angeb. und vorübergehender Intelligenzminderung, z. B. aufgrund von Bewusstseinsstörungen, zu unterscheiden. Demenzielle Syndrome werden im Kontext einer multidisziplinären Demenzdiagnostik erfasst und kategorisiert. In Abhängigkeit vom Lebensalter, erblichen Faktoren und vorausgehender Erkrankung können Hirnfunktionen primär (d. h. aufgrund unmittelbarer Verletzungen oder Störungen des Nervensystems) oder sekundär (d. h. durch indirekte Effekte systemischer Krankheiten oder Störungen) beeinträchtigt werden. Nach ICD-10 werden folg. D. unterschieden: (1) Alzheimer-D. (F00; s. Anhang I) als sich langsam entwickelnde, neurodegenerative Krankheit des gesamten Gehirns unbekannter Ursache, wobei ein früher und ein später Beginn (vor oder nach dem 65. Lebensjahr) unterschieden werden. (2) Vaskuläre D. (F01) als eine meist in mehreren Hirnregionen auftretende arteriosklerotische Veränderung des Gefäßsystems im höheren Lebensalter, wobei Thrombosen, Embolien oder Blutungen an einem oder mehreren Orten akute Schlaganfälle und damit verbundene Hirnschädigungen auslösen (vgl. Multiinfarkt-D.). Betrifft die vaskuläre Erkankung das Marklager bzw. die weiße Substanz vorwiegend im Bereich der Basalganglien (Gehirn), spricht man von einer subkortikalen D. (3) Andere, außer den vorgenannten D. (F02) umfassen die frontotemporale D. bei (Pick'scher Krankheit), welche durch frühe Persönlichkeitsveränderungen und den Verlust sozialer Fähigkeiten gekennzeichnet ist.

Eine weitere progrediente D. ist die vermutlich durch infektiöse Prionen verursachte Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Eine dominant erbliche D. ist die Chorea-Huntington-Erkrankung mit Degeneration von Teilen der Basalganglien und nachfolgender Überaktivierung des Kortex. Auch bei einzelnen Verlaufsformen der Parkinson'schen Erkrankung kommt es aufgrund einer Degeneration dopaminerger Neurone (Dopamin) im Mittelhirn zu D. Zahlreiche weitere systemische bzw. organmed. Erkrankungen können D. auslösen, u. a. HIV-Krankheit, Epilepsie, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen, Intoxikationen, multiple Sklerose, Neurosyphilis sowie Vitaminmangelerkrankungen. Der Begriff der Pseudodemenz oder Pseudodebilität wird aufgrund von definitorischen Problemen heute kaum noch verwendet. Er bez. eine situative Störung der Intelligenzfunktionen aufgrund emot. oder persönlichkeitsbezogener Faktoren bzw. eine vorübergehende Entwicklungsstörung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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