Demenzdiagnostik

 

(= D.) [engl. dementia diagnostics], [BIO, DIA, GES], bez. die multidisziplinäre Erfassung der med.-biol. und psychol. Merkmale einer Demenz entspr. der meth. Prinzipien der beteiligten Fachdisziplinen sowie die systematische Zuordnung der Befunde zu einem Krankheitsbegriff. Die beobachteten Krankheitszeichen werden im Kontext einer Krankheitstheorie der Demenz interpretiert und erklärt. In der D. werden der Aufwand und das Risiko der eingesetzten Methoden und der sich daraus ergebende Entscheidungsnutzen für die weitere Behandlung gegeneinander abgewogen. Da es sich bei Demenz nach ICD-10 (F00-F03) um einen sehr breiten Krankheitsbegriff mit sehr unterschiedlichen Ursachen handelt, wird auf humanbiol. und psychol. Ebene eine Vielzahl von Verfahren zur Erfassung der chronischen oder fortschreitenden Symptome der Hirnerkrankung eingesetzt. D. differenziert einzelne Demenzarten und grenzt diese von anderen organischen und psych. Störungen ab. Dazu werden bildgebende Verfahren und die Elektroenzephalografie, EEG eingesetzt, wobei insbes. die Kernspintomografie, die Computertomografie und die Positronen-Emissions-Tomografie mit spez. Liganden zur Differenzierung fokaler oder diffuser Veränderungen des Gehirns genutzt werden. Die D. berücksichtigt auch andere med.-organische Faktoren, welche die Entwicklung einer Demenz begünstigen können, wie etwa Diabetes, Erkrankungen der Leber, Niere, Schilddrüse, des Immunsystems sowie best. Vitaminmangelerkrankungen.

Auf der Ebene der neuropsych. Funktionsstörungen dient D. der Erfassung von Veränderungen intellektueller Fähigkeiten und Persönlichkeitsfunktionen, insbes. von Lernen und Gedächtnis, Denken und Urteilen, Orientierung, Sprache und Rechnen. Da zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung sowohl kognitive als auch emot., motivationale und soziale Funktionen beeinträchtigt sein können, liefert die Eigenanamnese mit geeigneten alltagsbezogenen Fragebögen wertvolle Informationen. Die Fremdanamnese mit nahen Angehörigen ist eine unerlässliche Methode der D., um kogn., emot. und soziale Funktionsstörungen identifizieren zu können. Häufig werden in der Praxis Screening-Verfahren (z. B. Mini Mental State Examination; Mini-Mental-Status-Test (MMST)) zur vereinfachten Funktionsprüfung eingesetzt, jedoch sind bei pos. Ergebnis differenzierende neuropsychol. Untersuchungen unumgänglich. Auf diese Weise ermöglicht D. eine Abgrenzung von psych. Störungen (z. B. Depression, Psychose) und eine Beurteilung der Bedeutung der Funktionsminderungen für die versch. Lebensbereiche der betroffenen Person.