Demenzen, Psychopharmakotherapie

 

[engl. dementia, pharmacotherapy], [BIO, KLI, PHA], Grundlage jeder Therapie eines Demenziellen Syndroms (Demenz; =D.) ist eine gründliche Diagnostik, um ggf. eine kausale Therapie der dem Demenziellen Syndrom zugrunde liegenden Erkrankung durchzuführen. Für die versch. Formen neurodegenerativer D. (häufigste Form: sporadische Form der Alzheimer-Krankheit) existieren keine kausalen Therapien. Hier ist zunächst die Sekundärprophylaxe durch Behandlung von vaskulären und metabolischen Risikofaktoren sinnvoll. Cholinesteraseinhibitoren (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin, Antidementiva) stellen die Psychopharmakotherapie der ersten Wahl der leichten bis mittelschweren Alzheimer-D. dar. Sie verzögern den natürlichen Verlauf der Erkrankung um 6–12 Monate. Der NMDA-Antagonist Memantin ist für die Behandlung der mittelschweren bis schweren D. vom Alzheimer-Typ zugelassen. Einige, aber nicht alle Studien zeigen, dass eine Kombination beider Wirkprinzipien zu einer gesteigerten Wirksamkeit führen kann. Die Wirksamkeit anderer Substanzen (Nootropika: Ginkgo biloba, Nicergolin, Piracetam) ist nicht belegt und wird nicht empfohlen. Die häufigen depressiven Syndrome (Depression) werden mit Antidepressiva behandelt. Dabei sind anticholinerg(isch) wirkende (z. B. trizyklische) Antidepressiva kontraindiziert, da sie ein Delir auslösen können. Verhaltensstörungen bei Demenziellen Syndromen (sog. BPSD: Behavioral and Psychological Symptoms of Dementia: Unruhe, Aggressivität, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (Schlafstörungen, psychotische Symptome, Psychose) werden entspr. der Zielsymptomatik behandelt. Psychotische Symptome (Illusion und Halluzination, Wahnwahrnehmungen und -einfälle, Wahn) werden mit Antipsychotika behandelt. Zugelassen für die Behandlung von Verhaltensstörungen bei Pat. mit Demenzen ist unter den neueren Antipsychotika allerdings nur Risperidon. Die Gabe von Antipsychotika ist im Alter mit einer erhöhten kardio- und zerebrovaskulären Mortalität assoziiert, daher ist die Indikation bes. streng zu stellen und immer wieder zu überprüfen. Für den Einsatz von Antikonvulsiva bei Demenziellen Syndromen liegt keine ausreichende Evidenz vor.

Verwendete Literatur

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