Dezentrierung

 

(= D.) [engl. decentration; lat. de- weg-, κέντρoν (kentron) Mittelpunkt], [EW, KOG], bez. in der Entwicklungstheorie Piagets (Piaget, Jean, Entwicklung, Stufentheorie nach Piaget) die Lösung von einer einzigen, sog. egozentrischen Perspektive (Egozentrismus des Kindes) auf die Welt. Wer z. B. erkennen kann, dass eine Anzahl Bohnen die gleiche bleibt, wenn man sie eng in einer Reihe hinlegt wie wenn man sie mit großen Abständen in eine (lange) Reihe legt, ist fähig, die Länge der Reihe und die Abstände zw. den Bohnen im Wechsel zu betrachten, ja gleichzeitig als kompensatorisch zu erkennen. D. steht dem Egozentrismus gegenüber und stellt eine bedeutende Entwicklungsdimension dar. Je weiter die kogn. Entwicklung fortschreitet, desto flexibler und desto dezentrierter wird das Denken.

Auf dieser Basis ist auch die Entwicklung des sozialen Verständnisses, der Perspektivenübernahme, des Freundschaftskonzepts oder des moralischen Urteils (moralisches Urteil) beschrieben worden. Die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel hat Piaget in einem berühmt gewordenen Drei-Berge-Experiment geprüft, indem er Kinder vor einen quadratischen Sandkasten stellte, in dem drei unterschiedlich hohe und unterschiedlich farbige Berge standen. Während z. B. für das geprüfte Kind der höchste Berg ganz links stand, befand er sich aus der Sicht einer Puppe, die an einer anderen Kante des Sandkastens stand, rechts. Das sollte das geprüfte Kind erkennen, ohne seinen eigenen Standort physisch zu wechseln.

Referenzen und vertiefende Literatur

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