diagnostische Halbwertszeit

 

(= diagn. H.) [engl. diagnostic half-time period], [DIA], in sehr freier Anlehnung an die Begriffe Physikal. und Biol. H. ist mit diagn. H. die Dauer gemeint, bis einzelne Items eines psychol.-diagn. Verfahrens in der Hälfte der relevanten Population bekannt sind. Sie ist bloß eine theoret., kaum eine praktisch berechenbare Größe; sie dient aber der Argumentation, dass die Verbreitung von Aufgaben bzw. ihrer Lösungen unter potenziellen Testpersonen mithilfe psychol. Mittel bestmöglich zu verhindern ist. Zwei Ansätze sind dafür erfolgversprechend. Beide basieren auf der Item-Response-Theorie (IRT). (1) Für einen Test wird ein sehr großer Pool von Aufgaben erstellt (Itembank), die alle nachweislich mit einem best. IRT-Modell konform gehen. Daraus wird je Testperson zufällig eine entspr. kleine Stichprobe von Aufgaben gezogen und vorgegeben. Genauso wie beim adaptiven Testen ist es dann möglich, das wahre, aber unbekannte Fähigkeitsausmaß dieser Person über die jew. Modellgleichung und unter Berücksichtigung der getroffenen Aufgabenauswahl zu schätzen. (2) Die Aufgaben eines Tests werden mittels Computers anhand sog. item­generierender Regeln laufend neu konstruiert. Dazu muss zunächst das Universum aller grundsätzlich denkbaren Aufgaben hinsichtlich aller möglichen Inhalts- und Materialkomponenten, insbes. in Bezug auf die mögliche Art ihrer Zus.setzung, festgelegt sein. Im Fall, dass für einen dementspr. konstruierten Aufgabenpool z. B. das Rasch-Modell gilt (vgl. auch Skalierung, testtheoretisches Gütekriterium), muss dann noch bestätigt werden, dass die je Inhalts- und Materialkomponente bestimmbaren Operationsparameter die Schwierigkeitsparameter laut Rasch-Modell für jede Aufgabe hinreichend genau beschreiben können; dies erfolgt am besten mithilfe des Linearen Logistischen Test‑Modells (LLTM) von Fischer (Fischer, 2005Kubinger, 2008b ). Im Fall (1) wird die diagn. H. des Tests sehr groß; da jede Aufgabe nur vgl.weise selten vorgegeben wird, dauert es relativ lange, bis sie sich in der betroffenen Population herumgesprochen haben wird – übrigens gilt das erst recht beim adaptiven Testen. Im Fall (2) strebt die diagn. H. mit der Anzahl möglicher Inhalts- und Materialkomponenten gegen unendlich. 

Referenzen und vertiefende Literatur

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