diagnostischer Prozess

 

(= d. P.) [engl. assessment process, diagnostic process], [DIA], kann definiert werden als «eine systematische Abfolge psychodiagn. (Psychodiagnostik) Handlungen mit dem Ziel, entscheidungsrelevante Informationen über eine Person verfügbar zu machen» (Langfeldt & Tent, 1999). Obwohl psychol.-diagn. Aufgabenstellungen in allen Lebensbereichen und allen Lebensabschnitten auftreten und von daher jew. höchst unterschiedlich sein können, lassen sich übergreifend mehr oder weniger ineinander übergehende Teilschritte oder Phasen des konkreten diagn. Prozesses beschreiben (Jäger, 2006). (1) Anfangs- und Orientierungsphase: Ein Auftraggeber oder die betreffende Person selbst tritt an den psychol. Diagnostiker mit der Bitte heran, eine bestimmte Fragestellung zu beantworten. Dieser prüft, ob er die an ihn gestellte Frage beantworten kann. Dazu gehört die selbstkritische Prüfung des eigenen professionellen Wissens ebenso wie die Abwägung rechtlicher und ethischer Angemessenheit. Sind die Voraussetzungen nicht hinreichend erfüllt, sollte der Auftrag zurückgegeben werden und ein d. P. im engeren Sinne kommt gar nicht zustande. Mit der Annahme des Auftrages beginnt (2) die Planungsphase. Der Diagnostiker übersetzt die an ihn gestellte Frage in eine psychol. begründbare und prüfbare Hypothese und plant die Durchführung von Verfahren (z. B. Dokumentenanalyse, Interview, diagnostisches, Anamnese, Exploration, Verhaltensbeobachtung, Fragebogen, Test; diagnostische Datenerhebungsverfahren), die geeignet erscheinen, die Hypothesen zu beantworten. (3) In der darauf folg. Durchführungsphase werden die einschlägigen Daten unter Einhaltung ethischer und fachlicher Standards planvoll und systematisch erhoben und registriert. (4) In der Evaluationsphase werden die Daten geordnet, verdichtet und im Hinblick auf die vorausgegangene Hypothese interpretiert. Falls die Datenlage für eine befriedigende Hypothesenprüfung nicht ausreicht, kann zur Ausgangsphase zurückgekehrt werden und der Prozess wird aufs Neue durchlaufen. In manchen Fällen kann es notwendig sein, den diagn. Auftrag als nicht erfüllbar zurückzugeben. (5) Kann die Hypothese befriedigend beantwortet werden, wird der d. P. gegenüber dem Auftraggeber mit der Beantwortung der Ausgangsfragestellung abgeschlossen. Dies kann im persönlichen Gespräch oder in einem schriftlichen Gutachten (Psychologisches Gutachten) geschehen.

Die Beschreibung der einzelnen Phasen lässt auch erkennen, dass neben Fachwissen die Fähigkeit des Diagnostikers zur angemessenen Kommunikation mit unterschiedlichen Personengruppen unabdingbar ist. diagnostischer Prozess, klinischer Anwendungskontext, Diagnostik, Qualitätssicherung, Diagnostik, gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen, Diagnostik, Qualitätssicherung.

Verwendete Literatur

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